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09.10.2007: Geteilte Stadt?

Die EURO 08 rückt näher, langsam werden die organisatorischen Details bekannt. Für die Stadt Zürich wird das Ereignis während vier Wochen einschneidende Auswirkungen haben. Am Bellevue sollen Grossleinwände aufgestellt werden, damit die Fans ohne Billett die Matches in einer besonderen Atmosphäre miterleben können. Pro Tag werden 40'000 bis 60'000 Leute erwartet und zwar nicht nur während der drei Spieltage in Zürich, sondern über die gesamte Dauer der EM.

 

Mit dieser "Public Viewing Zone" sollen gemäss Stadtpräsident Ledergerber "die positiven Erfahrungen der WM" wiederholt werden. Damals wurde lediglich auf der Sechseläutenwiese eine Grossleinwand aufgebaut, der Verkehr "lief" über das Bellevue weiter. Die Polizei liess damals verlauten, dieses Experiment sollte im Hinblick auf die EURO nicht mehr wiederholt werden. Der Stadtrat sieht es anders und will das Bellevue einfach sperren. Doch nicht nur das Bellevue ist betroffen. Damit die Fans möglichst unbehindert zum Bellevue strömen können, werden alle Strassen vom Bahnhof Tiefenbrunnen bis Central gesperrt.

 

Der Stadtrat hat ein "Verkehrskonzept" erstellen lassen. Dieses hat er der Öffentlichkeit am 25. Juni 2007 vorgestellt. Zitat: "Grossräumige Verkehrssperrung; Umfahrungsrouten signalisiert; Anlieferungen erschwert; keine öffentlichen Parkplätze vorhanden!; Verkehrsbehinderungen sind zu erwarten; Verbindung linkes/rechtes Seeufer via Fähre Meilen-Horgen. Sperrzeiten: täglich, während ganzer Dauer EURO 2008 von 1400 bis 0500 Uhr." Wir sprechen von der grössten Stadt der Schweiz, in der während vier Wochen kein normales Leben mehr möglich sein soll. Warum die Grossleinwände nicht auf der Landiwiese, am Mythenquai oder auf der Allmend Brunau aufgestellt werden können, wo genügend Raum für alles Mögliche vorhanden ist, bleibt ein Geheimnis des Stadtrates. Die betroffenen Gewerbetreibenden im Seefeld wurden nicht orientiert. Glücklich, wer ein Hotel oder Restaurant betreibt. Wer aber auf Kundenfrequenz angewiesen ist, der kann für vier Wochen schliessen.

 

Im betroffenen Bereich finden sich beispielsweise die Amag Seefeld oder die Privatklinik Pyramide. Bisher steht die öffentliche Diskussion dieser Pläne noch aus. Die Medien schweigen, die Politik ist passiv. Gehts nur um Fussball? Zur Erhellung ein weiteres Zitat aus einer stadträtlichen Folie: "Verzicht auf motorisierten Individualverkehr (MIV); bestehendes öffentliches Verkehrsnetz nutzen […] Anlieferungen, Transporte und Gewerbeverkehr Innenstadt am Vormittag bis 11 Uhr erledigen; Transitverkehr: Zürich grossräumig umfahren." Ach ja, die Brandwache befindet sich am Manesseplatz, die Sanität beim Mariott. Während vier Wochen sollten die Menschen nur auf der rechten Seite der Stadt krank werden, dafür darf es nur auf der linken Limmatseite brennen …

 

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