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16.01.2008: Tod eines Prestigeobjekts

Der Schiffbau ist zu teuer. Diese Aussage stammt nicht von der SVP, sondern vom Schauspielhaus Intendanten Hartmann. Dass wir das noch erleben dürfen! Nichts konnte damals die Führung des Schauspielhauses davon abhalten, die ehemalige Schiffbauhalle in ein Theater umzubauen. Die Baukosten liefen hoffnungslos aus dem Ruder, die Halle gefiel dem trendigen Publikum ausnehmend gut, Regisseur Marthaler schwelgte wie die Made im Speck, liess blutte Schauspieler in seltsamen Dekors über die Bühne irren – und die Kosten liefen auch im Betrieb aus dem Ruder. Im alten Pfauen blieben die Zuschauer inzwischen aus, denn für zwei grosse Sprechtheater fehlt in Zürich die zahlende Kundschaft. Nicht einmal Gratisbillette füllten die Ränge. Offensichtlich konkurrenzieren sich der Schiffbau und das Schauspielhaus gegenseitig so stark, dass beide nebeneinander nicht rentabel existieren können. Im Übrigen, was heisst da schon rentabel? Das Schauspielhaus ist hoch subventioniert; kaum eine Produktion kann die Gestehungskosten einspielen. Die Betriebe hängen auf jeden Fall am Tropf des Steuerzahlers. Wer die Zustände kritisierte, wurde als Banause verlacht. Der Stadtrat liess nie den geringsten Zweifel daran aufkommen, dass er mit dem Schiffbau den Stein der Weisen gleich selbst erfunden hätte, ohne allerdings damit Gold zu fabrizieren, sondern solches zu vernichten. Kaum ist unser rühriger Stadtpräsident nicht mehr Präsident des Verwaltungsrates der Schauspielhaus AG, sind aber offenbar sogar in diesem Gremium vernünftige Meinungen zugelassen. Laut Intendant Hartmann werde nie mehr eine Produktion im Schiffbau stattfinden, solange er im Amt sei. Schuld an allem seien die Gewerkschaften, deren Streik Mehrkosten von 1,9 Millionen Franken verursachten. Der Streik war wirklich eine Verlochung von Steuergeldern, doch diese spielten den Linken noch nie eine Rolle. Schliesslich waren in Sachen Schauspielhaus die Sozialisten unter sich. Ledergerber gegen die Gewerkschaften. Dass das nicht zu einem vernünftigen Ende führen konnte, darf nicht überraschen. Ein SP-Stadtpräsident kann mit einem SP-Gewerkschafter nicht adäquat umgehen. Am Ende bleibt der Steuerzahler jedenfalls auf der Strecke. Nur der Intendant glaubte an die Verlässlichkeit des Stadtpräsidenten – und verlor nicht nur den Glauben, sondern auch noch seinen Posten. Jetzt bleibt nur noch zu warten, wann die Forderung nach einer grundlegenden Renovation des Schauspielhauses kommt. Die Spuren der Dekadenz sind im Zuschauerraum überall sichtbar. Er verbreitet den Charme eines abgeschabten Frontbordells. Der Samt glänzt speckig, sein Rot ist abgeschossen, die Tapete hängt in Fetzen. In jeder Hinsicht stehen Schauspielhaus und Prestigeobjekt Schiffbau sinnbildlich für den Zustand der Sozialdemokratie, sogar die Farbe stimmt.

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