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08.04.2008: Hörstürze

Unser Herr Stadtpräsident ist "not amused". Die, Zitat: "Polit-Taliban" der SVP hätten mit ihrer Hetze gegen Bundesrätin Widmer-Schlumpf deren Auftritt am Zürcher Sechseläuten verhindert. Die SVP soll direkt dafür verantwortlich sein, dass bei der Frau Bundesrätin offenbar Berge von Schmähschriften eingegangen sind. Die Vorwürfe sind haltlos, haben aber zum Ziel, die SVP-Mitglieder zu verunsichern und dürfen deshalb nicht unbeantwortet bleiben. Was die SVP betreibt, ist der politisch und auch juristisch völlig legitime Anspruch, ein Mitglied auszuschliessen, das die Partei durch sein eigensüchtiges Verhalten in schwerer Weise geschädigt hat. Es würde der SVP als Schwäche ausgelegt, wenn sie die Wahl von Frau Widmer auf sich beruhen liesse. Ein Parteiausschluss unter diesen Umständen ist normal. Ich erinnere an die Stadträte Lieberherr und Kaufmann, die als Bisherige von der SP nicht mehr unterstützt wurden, weil sie eine abweichende Meinung vertraten. Wenn also ausgerechnet unser Sozi-Veteran im Stadtpräsidium Zeter und Mordio schreit, ist das eher durchsichtig. Hört man Ledergerber zu, könnte man meinen, das ganze Sechseläuten sei in Gefahr, von magistratenjagenden SVP-Schlägerhorden überrannt zu werden. Diese Befürchtungen musste man zum letzten Mal in den Achzigerjahren hegen, als linke Chaoten ihrer Jugend frönten. Geschehen ist damals nichts. Nicht so jeweils am 1. Mai, wenn die Sozialisten ihr Arbeiterfest feiern. Stadtrat Bobby Neukom konnte sich, ebenfalls in den Achzigern, als Polizeivorsteher nur unter dem Schutz seiner Mitarbeiter vor dem eigenen Mob retten und, wann war das doch gleich, als Bundesrat Leuenberger an einer Maifeier mehr Eier erhielt als er zu schlucken im Stande war? Damit sei nun nicht gesagt, dass wir Drohungen gegen Magistraten entschuldigen oder mit einem Schulterzucken und der Bemerkung "selber schuld" abtun sollen. Wir wollen die Freiheit des Einzelnen in jedem Fall schützen. Nicht nur Magistraten, jeder Bürger soll sich bei uns frei bewegen können, ohne sich fürchten zu müssen. Nur muss eine Person des öffentlichen Lebens auch bereit sein, sich mehr als andere zu exponieren. Wäre dem nicht so, hätten die Vorerwähnten an den jeweiligen Anlässen von vorneherein nicht teilgenommen und Christoph Blocher wäre nur noch im Papamobil unterwegs. Frau Widmer fehlt es möglicherweise am Verlangen, mit dem Zürcher Volk in allzu direkten Kontakt zu treten. Es könnte sein, dass sie vermutet, die Sympathien in der Bevölkerung seien kleiner als in den Medien trotzig beteuert. Wer das Sechseläuten kennt, weiss um die geringe Bedrohung, die von den Blumenmädchen ausgeht. Ein Spinner kann überall ein Attentat ausführen. Letztlich hat uns Stadtpräsident Dr. Elmar Ledergerber nur vor Augen geführt, dass er gerne Schaum schlägt. Insofern ist er ein typischer Vertreter des politischen Mainstreams und der linken Pfründenwirtschaft. Schliesslich soll uns einmal mehr eine auswärtige, gealterte linke Nationalrätin auf's Auge gedrückt werden, damit sie im Stadtrat der reichsten Stadt der Schweiz ein Altenteil finde. Das Sechseläuten wird die Absage der Usurpatorin, Ledergerbers Sprüche und Genners mögliche Wahl in den Stadtrat überleben; ganz so wie die SVP. Aber wer seinen eigenen Schrott zu oft und gern hört, riskiert Hörstürze.

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