"Die heutige Bohème der Spiegelgasse lebt gut von der Sozialhilfe des Staats und der Sponsoren. Sie verteidigt das geistige Erbe ihrer Vorväter, indem auch sie ab und zu nach der Macht schnappt. Dummerweise ist das die Hand, die sie füttert. Das kann nicht gut enden." Dies ist die Quintessenz von Daniel Suters Tagi-Kolumne vom 12.04.08. Thema: Die Intervention des städtischen Kulturchefs Jean-Pierre Hoby gegen das kulturell hochstehende Sex-Casting im DaDa-Haus Cabaret Voltaire. Das durchsichtige Vorgehen veranlasste Suter weiter zu folgender Aussage: "Der Akt läuft bereits mechanisch ab: Erektion an der Spiegelgasse, Ejakulationen des Unmuts und Einziehen des Dada-Schwanzes. Dahinter steckt kein schmutziger Trieb, sondern ein Systemfehler." Die Überlegungen von Daniel Suter sind vollkommen richtig und geben ein Problem des subventionierten Kulturbetriebes wieder. Aber eben nur ein Problem. Unerwähnt bleibt die völlige Verschmelzung der Interessen der auf öffentliche Gelder spekulierenden Kulturschaffenden und der Kulturförderer der öffentlichen Hand; sie sind eins. Das Budget der Stadt Zürich weist für die Kultur einen Aufwand von 123'360'200 Fr. aus. Der Personalaufwand ist mit knapp 5 Mio. Fr. veranschlagt und um genau den geht es. Nicht nur die heutige Bohème lebt gut von Staat, auch die Kulturförderer tun das. Sie haben überhaupt kein Interesse daran, dass der Geldsegen gestoppt wird. Gestoppt werden kann er nur vom Volk und das wiederum reagiert erst, wenn Skandälchen zu Skandalen werden. Der Zürcher ist gegenüber der öffentlichen Geldverschwendung schon so abgestumpft, dass er erst bei ganz groben Verstössen den Kopf hebt, dann aber zeigt er Unmut, was unmittelbare Wirkung im Ziel entfaltet. Letztes Beispiel für diesen Mechanismus ist der Rücktritt von Monika Stocker. So weit wollen es weder der Stadtpräsident als Verantwortlicher für die Kultur, noch der städtische Kulturbeauftragte Hoby kommen lassen, sie könnten sonst ihre Pfründen verlieren. Das von Kulturschaffenden und -förderern betriebene Spiel ist jenes der kalkulierten Provokation. Schon die Römer wussten, dass gelegentliche Orgien ein probates Mittel zur gelenkten Ableitung ohnehin begrenzter Energien satter Eliten darstellen. Die Kulturförderung ist unserer Tage nicht weiter. Alles ist gelenkt; für Mässigung ist gesorgt, weil Förderer wie Schaffende Apparatschiks sind, die aus der gleichen Schüssel schöpfen. Während der Stadtratswahl 02 rief der leider verstorbene Hans Gmür an. Er bat mich, die staatliche Kulturförderung zu bekämpfen. Sie verunmögliche den freischaffenden Künstlern eine unabhängige wirtschaftliche Existenz und unterdrücke so freies Kunstschaffen. Das Verhältnis Hoby-DaDa ist nicht das von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer. Es ist eine Symbiose: DaDa Hoby.
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