Die Strassensperrungen des Stadtrates für die Euro 08 sind vom Statthalter Bruno Graf aufgehoben worden. Die Rechtsgrundlage reicht nicht aus, um die Stadt für die Dauer von drei Wochen in Ausnahmezustand zu versetzen. Der Stadtrat hat ungehalten reagiert. Stadtpräsident Ledergerber musste sich für seine ungezügelte Kritik an der Aufsichtsbehörde entschuldigen. Der Stadtrat gab seine Planungen für die Verkehrsführung so spät heraus, dass auch wir ihm unterstellten, er habe darauf spekuliert, die Zeit würde für Einsprachen nicht reichen und der Bezirksrat würde es nicht wagen, einem Rekurs aufschiebende Wirkung zu erteilen. Beides ist nun doch geschehen, obschon die Euro in etwas mehr als zwei Wochen beginnt. Dies ist auch der Grund, weshalb wir auf den Rekursentscheid nicht mit Schadenfreude reagieren sollten. Die SVP hat sowohl auf kantonaler wie städtischer Ebene mit Vorstössen auf die schädlichen Folgen der massiven Verkehrssperrungen aufmerksam gemacht und nun Recht erhalten. Nur, die Fanmeile, Public Viewing Zone, Walk of Fans und all diese einheimisch tönenden Infrastrukturen sind geplant und die Umsetzung kann nicht mehr so kurzfristig auf den Kopf gestellt werden. Insofern versteht man die Hektik im Stadtrat. Das Debakel zeigt aber exemplarisch, weshalb es dringend notwendig ist, dass ein Selbständigerwerbender in den Stadtrat gehört. Die Gewerbetreibenden vornehmlich aus dem Seefeld machten auf ihre Probleme aufmerksam. Vom Stadtrat ernteten sie Sprüche wie: "Verkauft doch einfach Würste" oder "macht für drei Wochen Betriebsferien". Offensichtlich ist im heutigen Stadtrat kein Verständnis für das Gewerbe vorhanden. Zum Glück haben der kantonale und neu auch der städtische Gewerbeverband erkannt, dass es die SVP ist, welche die Gewerbeinteressen von allen Parteien am klarsten vertritt. Sowohl der kantonale Gewerbepräsident, wie auch der städtische sind ins Komitee von Mauro Tuena eingetreten. Damit heben sich die beiden FDP Mitglieder in erfrischender Art ab von ihrer Mutterpartei. Auf dieser Basis geht die Eiszeit zwischen der SVP und dem Gewerbeverband in der Stadt einem Tauwetter entgegen. Ich bin zuversichtlich, dass so auch eine Annäherung der vernünftigen Vertreter der FDP mit der SVP zustande kommen wird. An der SVP soll das nicht scheitern. Gewerbepolitik ist eine schwierige Sache. Die KMU haben sehr verschiedene, teilweise widersprüchliche Interessen. Sie alle unter einen Hut zu bringen, ist praktisch unmöglich. Es sind aber die Rahmenbedingungen, die für alle gleich belastend sind. Das zeigt diese Euro-Verkehrsgeschichte des Stadtrates deutlich. Wer schon im Ansatz nur Hohn für Anliegen des Gewerbes aufbringt, wird sich in der täglichen Arbeit kaum darum scheren, wie dem Gewerbe geholfen werden kann. Das Gewerbe gehört in den Stadtrat!
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