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22.05.2008: Expertenstreit

In der NZZ diskutieren der Präsident des Zürcher Heimatschutzes alt Gemeinderatspräsident Marcel Knörr (FDP) und Baukommissionsmitglied Gemeinderat Peter Stähli-Barth (SP) über das geplante neue Kongresszentrum. Beide Herren sind als Architekten Experten auf dem Gebiet. Liest man die Argumente, ist man hinterher gleich klug wie vorher. Eigentlich geht es um die Fragen, wie schön findet man das bestehende Kongresshaus und wie viel darf an der Silhouette der Stadt geändert werden? Einig sind sich beide Experten darin, dass Zürich ein neues Kongresszentrum benötigt. Strittig ist der Bauplatz. Um den Bauplatz geht es allerdings in den beiden Abstimmungsvorlagen, über die am 01. Juni entschieden wird, denn diese geben der Stadt die Möglichkeit, sich das Grundstück für den Bau zu sichern. Expertendiskussionen sind immer unerquicklich, weil sie zu keiner Lösung führen. Alle haben irgendwie Recht. Wenn noch weitere Experten hinzugezogen werden, kommen weitere Meinungen dazu. Am Schluss kennt sich der Bürger überhaupt nicht mehr aus. Stellen wir doch einmal die ganz grundlegenden und einfachen Fragen: 1. Was wird besser, wenn das Kongresszentrum kommt? 2. Was wäre, wenn die Vorlage abgelehnt würde? 3. Was kostet das Ganze? Zur ersten Frage ist mal darauf zu verweisen, dass ein Neubau unbestritten ist. Wenn aber dieser Grundsatz unbestritten ist, müssen wir gleich zur Frage zwei gehen, denn dann geht es nur noch um die Frage des Ortes. Wenn also die beiden Vorlagen abgelehnt würden wäre das ein klares Signal, gegen den Abriss des alten Kongresshauses. Es müsste somit ein anderer Standort gefunden werden. Das bringt uns zu Frage drei: Das alte Kongresshaus ist sanierungsbedürftig. Eine Renovation käme teuer und müsste den Rückbau der grottenhässlichen Anbauten aus den achziger Jahren beinhalten, womit die ohnehin zu niedrige Kapazität des Hauses noch weiter verringert würde. Da wir ein neues Kongresszentrum aber brauchen, würden die Renovationskosten zu den Kosten des Neubaus hinzukommen. Wird ein neues Kongresszentrum gebaut, wäre das alte Haus überflüssig oder würde das neue Zentrum konkurrenzieren. Diese finanziellen Risiken müsste der Steuerzahler übernehmen, weil für die Altbausanierung kaum ein privater Investor zu motivieren wäre. Das wäre im Fall des Neubauprojekts am heute vorgesehenen Standort anders. Die Finanzierung über eine Public-private partnership garantiert, dass auch Private ihren Teil zahlen und die Stadt nicht alleine geradestehen muss. Durch den Abriss entfiele ausserdem die Sanierung des alten Baus, wobei die Tonhalle in den Neubau integriert werden soll. Man braucht darüber nicht begeistert zu sein, aber die Vorteile liegen wohl beim Neubau am jetzt geplanten Standort. Wie lebten wir heute, wenn nie auf Ruinen neu gebaut worden wäre?

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