Die Organisatoren klopfen sich kräftig auf die Schultern und zergehen in der gestärkten Völkerverständigung zwischen der Schweiz und Österreich, bzw. den Herren Schmid und Gusenbauer. Ralph Zloczower ist als Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes der Meinung, der Erfolg der Euro sei so gross, dass es jetzt an der Zeit sei, sich für eine Fussball-Weltmeisterschaft zu bewerben. Tatsächlich konnte auch der Schreibende die gute Stimmung und die gelungene Infrastruktur in der Zürcher Fanmeile geniessen. Ob jedoch ein organisatorischer Erfolg vorliegt, muss sich im Nachgang erst noch weisen. Dass ein wirtschaftlicher Misserfolg resultiert, muss als sicher angenommen werden. Die Stadt Zürich musste Abermillionen aufwerfen, um die Installationen zu bezahlen (z. B. den Bau des gesamten Letzigrundstadions mit 10 Mio. Fr. Zusatzkosten für die provisorischen Tribünen für die Euro) und auch die Mehrkosten für Reinigung, Sicherheit, Fahrplanverdichtung der VBZ, Verlegung der Sanitäts- und Feuerwehrstützpunkte, Sanitätsdienst usw. zu übernehmen. 15000 Wehrleute leisteten Auf- und Abbauarbeiten, unterstützten die Polizei und den Sanitätsdienst – oder langweilten sich. Die Gewerbetreibenden hatten genau die Ertragseinbussen, die im Vorfeld befürchtet wurden. Diejenigen, die dem Rat des Herrn Stadtpräsidenten gefolgt waren und einen Bratwurststand eingerichtet hatten, müssen je nach Standort einen noch grösseren Verlust übernehmen. Nicht einmal die Hotellerie hatte höhere Umsätze als in einem normalen Juni. Auch dort sind die Umsätze wegen der Euro gesunken. Bei aller Sympathie für den Sport stösst die zunehmende Tendenz der verschiedenen Verbände sauer auf, Gewinne einzustreichen und Kosten der Allgemeinheit zu überbinden. Wo blieben Jodel-, Schwing-, Schützen-, Turner-, Fussball-, Seilzieh- und alle anderen Wettkämpfe, wenn nicht die Armee die Infrastruktur sicherstellte? Und wo, wenn die Gemeinden nicht die polizeiliche Sicherheit und die Müllbeseitigung übernähmen? Ich wundere mich nicht darüber, dass Herr Zloczower eine Weltmeisterschaft durchführen möchte. Die Sponsoringerträge und Werberechte würden die Kassen der Verbände noch üppiger füllen als bei einer Euro. Ich bin mir bewusst, dass alle Sportarten, insbesondere die traditionellen auf die Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen sind. Nur scheint mir das Fass langsam voll. Alt-Bundesrat Willi Ritschard sagte einst: "Je weiter der Affe den Baum hochklettert, desto mehr sieht man nur noch seinen Hintern." Er meinte zwar nicht die Festfreude, sondern die technische Entwicklung – doch Recht hätte er auch in diesem Fall.
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