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18.09.2008: Odysseus in Zürich

Odysseus in Zürich

 

Am vergangenen Mittwoch tat ich etwas, was ich sonst tunlichst zu vermeiden suche. Ich fuhr mit dem Auto durch die Stadt. Es war 1815 Uhr, als ich im Albisgütli abfuhr. Das Auto beladen mit Utensilien, die während des Knabenschiessens gebraucht worden waren. Ziel war mein Zuhause, das zu erreichen, ich den kürzesten Weg wählte. Die Fahrzeit beträgt normalerweise 30 Minuten. Zunächst ging alles glatt. An der Brandwache vorbei war nur der übliche kurze Moment des Spurwechsels zu erdulden. Doch schon am Lichtsignal bei der Abzweigung aus der Manessestrasse ins Stauffacherquai entstand ein unüblicher Rückstau. Ich schrieb diesen der Stosszeit und einer Baustelle zu, von der ich wusste, dass sie beim Restaurant Helvetia den Verkehr behindert. Es ging gar nichts mehr. Es würden wohl die Autos sein, die sich aus der Werdstrasse in den Verkehrsfluss drängten. Nach zwanzig Minuten hatten mein Auto und ich die 500 Meter doch zurückgelegt. Die Kolonne gen Bahnhof war rascher, doch als erfahrener Zürcher wusste ich, dass es über die Sihlporte schneller geht. Heute stand man auch auf der Sihlstrasse. Nochmals zwanzig Minuten später konnte ich das Chaos auf der Sihlporte erblicken. Autos standen sich kreuz und quer im Weg und dazwischen drängten sich die Trams. Das mussten wohl die Auswirkungen sein der Quaibrückensanierung! Ich malte mir aus, wie die Autofahrer die Quaibrücke zu meiden suchten. Aus dem Radio beschied mir eine sympathische Stimme, dass ausser einem kleinen Stau in der Brunau der Verkehr rolle. Ich wusste es besser und ärgerte mich über die Unwissenheit des Lokalradios. Es war wohl schon fünf Mal grün geworden, ohne dass sich mehr als ein Auto über die Kreuzung zwängen konnte. Jetzt kam ich endlich auch dran, querte den Platz und hängte mich an die Schlange. Meter um Meter arbeitete sich die Kolonne durch die Sihlstrasse. Auf der Höhe Füsslistrasse würde das Schlimmste überstanden sein, glaubte ich. Dann sah ich, dass die Autos vor mir auf die linke Spur wechselten und alle gemeinsam Richtung Steinmühleplatz abbogen. Die Sihlstrasse war gesperrt! Rot-weisse Plastikbänder waren über die Strasse gespannt. Neugierig blickte ich mich um und sah die Ursache des Verkehrszusammenbruchs – ein riesiger Pneukran stand mitten auf der Strasse. So ist das in Zürich. Man sperrt ganz einfach eine Ausfallachse während der Stosszeit, ohne die Autofahrer über das Hindernis aufzuklären. Sie könnten es ja sonst umfahren! Das Ziel ist, den Leuten das Autofahren auszutreiben. Vom Löwenplatz weg, ging es schnell. Die Strassen schluckten problemlos die wenigen Autos, die sich dem Stau entwanden. 2 Stunden hatte meine Odyssee gedauert. Ich bin jedenfalls um eine Erfahrung reicher – und in der Überzeugung bestärkt, dass die Verkehrspolitik des Stadtrates eine Schweinerei ist.

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