Dr. Elmar Ledergerber sei der zweitbeste Stadtpräsident des Universums – wenn es kein weiteres Leben im Universum gibt. Die Vereinigung "World Mayor", die aus Journalisten, Ökonomen und Beratern der öffentlichen Hand aus Amerika, Asien und Europa besteht, vergibt seit 2003 den Preis für den besten Stadtpräsidenten. Und die sehen also Elmar Ledergerber als zweitbesten Stadtpräsidenten? Muss uns das wurmen? Nein, warum denn? Schliesslich ist es ein Preis, der ans Gesamtpaket Stadt Zürich geht. Es geht unter anderem um die allgemeine Lebensqualität, die auch viel mit der einmaligen Lage unserer schönen Stadt an Limmat und See zu tun hat. Die Lebensqualität wird jährlich von der Firma Mercer bewertet. Dort schliesst unsere Heimatstadt regelmässig mit dem ersten Platz ab. Die Firma Mercer berät namhafte Firmen bei der Frage, wo ihre Kader im Ausland am liebsten wohnen und arbeiten würden. Solche Bewertungen sind entscheidend für die Neuniederlassung von international tätigen Unternehmen. Gerade innovative Branchen, die auf eine hohe Kreativität der Leute angewiesen sind, Leute, die hochmobil von zuhause aus arbeiten und eigentlich überall leben können, wo sie einen Hochgeschwindigkeits-Internetanschluss haben, suchen nach der attraktivsten Stadt. Wir erleben gegenwärtig einen echten Boom, was den Zuzug von hochqualifizierten, gutverdienenden Kadern betrifft. Davon profitiert Zürich ganz eindeutig. Es gibt auch negative Auswirkungen, das ist klar. Wir müssen uns wieder mehr an das Hochdeutsche im Alltag gewöhnen. Bezahlbare Wohnungen sind rar geworden. In der Stadt jagt ein Event den anderen. Aber die Vorzüge überwiegen gewiss. Die Stadt entwickelt sich rasant und bietet viele Chancen für arbeitsame, pünktliche, zuverlässige, aber auch moderne und aufgeschlossene Schweizer. Das ist insgesamt sehr positiv, wirkt sich auf die Steuereinnahmen und die Arbeitssituation aus und gibt auch dem Gewerbe Arbeit. Hinter diesem Boom steckt unser System der direkten Demokratie mit hoher Eigenverantwortung des Bürgers. Ein System, das von vielen Modernisten als hinderlicher Ballast verachtet wird, das Föderalismus und damit die Zerstückelung in kleine, lokale Einheiten fördert und den grossen Entwurf behindert – offenbar ist es doch nicht so schlecht. Es lässt viel Freiraum, in dem sich Neues entwickeln kann und bietet trotzdem genügend Rahmenbedingungen, die Schlechtes verhindern. Die bewährten Wurzeln pflegen und Erneuerung zulassen. In dieser Hinsicht sind wir mit dem zweitbesten Stadtpräsidenten der Welt einig. Den Rest können wir dann wieder in den Budget-, Drogen-, Kultur-, Bildungs-, Sicherheitsdebatten im Parlament und bei Abstimmungen verhandeln. Ganz im Wissen dass die Meinungsvielfalt einen grossen Anteil hat am guten Klima in Zürich, unabhängig vom Stadtpräsidenten.
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