Vor gut 25 Jahren begann die Entwicklung in der Schweizer Radio- und Fernsehlandschaft hin zu mehr Vielfalt. Es war der Radiopionier Roger Schawinski, der vom Pizzo Groppera aus die Stadtzücher mit dem ersten zeitgemässen Radioprogramm versorgte. Radio 24 war so erfolgreich, dass sich der Bund der neuen Medienbewegung nicht entziehen konnte. "Wenn Du sie nicht schlagen kannst, verleibe sie dir ein" heisst eine militärische Weisheit. So wurden die neuen wilden Stationen domestiziert. Sie erhielten Konzessionen und wurden sogar aus dem bisher streng gehüteten Gebührentopf der Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft SRG entschädigt. Jetzt, nach 25 Jahren, wurden die Konzessionen neu verteilt. Das UVEK von Bundesrat Leuenberger beurteilte die Bewerber. Das Resultat ist aus Stadtzürcher Sicht ernüchternd. Radio Energy mit 60 Mitarbeitern soll seine Konzession verlieren und trägt sich jetzt sogar mit dem Gedanken, in die Illegalität zu gehen. Wie weiland Roger der Grosse aus Italien, soll diesmal aus Frankreich in den Grossraum Zürich gesendet werden. Tele Züri, die wahre Alternative zu SF DRS, soll seine Konzession ebenfalls verwirkt haben. Tele Top aus Winterthur erhielt den Zuschlag. Gründe: nebulös-schleierhaft. Das Gefälle zwischen Tele Top und Tele Züri ist etwa so gross, wie wenn Sie Enrico Caruso auf einem Grammophon bei 78 Umdrehungen hören und mit einem Liveauftritt von Pavarotti in der Scala Mailand vergleichen. Das eine ist schräg, das andere klingt, wie es muss. Wieder einmal wird uns bewusst, was passiert, wenn sich der Staat in Dinge einmischt, die ihn eigentlich nichts angehen sollten. Leider geht es um die Verteilung von Frequenzen. Weil die rar sind, braucht es die ordnende Hand der Obrigkeit und weil diese nicht willkürlich handeln darf, muss sie nachvollziehbare Kriterien beiziehen. Nur: Warum muss Tele Züri vom Äther, wenn SF DRS und die italienisch- und französischsprachigen Schweizer Programme schon mehr als die Hälfte der verfügbaren Frequenzbänder belegen? Warum bezahlen wir eigentlich Gebühren, wenn wir diejenigen Sender, die wir wirklich sehen wollen, nur noch über Kabel erhalten? Für uns als politische Partei ist es entscheidend, ob wir einen Sender wie Tele Züri zur Verfügung haben, der aktuell und bürgernah über die Vorgänge in unserer Stadt berichtet und der uns zu Wort kommen lässt! Deshalb ist es zwingend, dass der Sender in Zürich steht. Wo sollte er denn sonst sein, als in der grössten Stadt der Schweiz? Ich mag es Tele Top ja gönnen, dass auch das Winterthurer Agglo-Senderlein nun so richtig bei den Grossen mitmachen darf. Dass aber gleichzeitig der wichtigste Sender der Deutschschweiz neben SF DRS keine Frequenz und keine Gebührengelder mehr erhalten soll, ist schwer verständlich. Wozu zahlen wir eigentlich Gebühren?
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