Vor einigen Tagen erlebte Zürich Schneefall, wie er seit der Aufzeichnung der Schneehöhen in dieser Jahreszeit noch niemals vorgekommen war. Der Verkehr brach zusammen. Viele Autofahrer hatten noch die Sommerreifen montiert. Doch nicht nur der Individualverkehr stockte, auch die VBZ hatten ihre Mühen. Ein Sechsertram blieb bei der Kirche Fluntern stecken. Es versperrte den Weg einen halben Tage lang – jedenfalls wurde am Radio währen dieser Zeit eine Sperrung gemeldet. Der Grund für die Probleme ist jedem klar. Die Steigung der Gloriastrasse ist für ein Tram bei glitschigen Schienen fast nicht zu bewältigen. Die Zürcher kennen dieses Phänomen. Wenn die Herbstblätter fallen, steigt der Sandverbrauch der Trams erheblich. Die Metallräder drehen auf den Metallschienen fröhlich durch, den Schmierstoff liefern Pflanzensäfte und vermantschte Zellulose. Der Zürichberg wird zum schwer zu erklimmenden Hindernis. Am Rosengarten fahren täglich 60'000 Fahrzeuge von der Hardbrücke in die Rosengartenstrasse, um in einer direkten Linie die Steigung zwischen der Limmat und dem Bucheggplatz zu überwinden. Nicht immer gelingt es den Autofahrern, das richtige Mass zu finden zwischen eingelegtem Gang, Gasfuss und Geschwindigkeitsvorschriften. Manch einer würgt fast den Motor ab, weil er einen zu grossen Gang eingelegt hat, andere lassen den Motor im kleinen Gang aufheulen, preschen zu schnell in die Steigung und lassen sich ein teures Bild aus den Geschwindigkeitskontrollgeräten schicken. Steigungen sind eben nicht einfach zu überwinden. An genau dieser Stelle, der Rosengartenstrasse, verlangt eine linke Initiative ein Tram. Eine Schnapsidee könnte man denken, die ohnehin bei vernünftig denkenden Menschen keine Chance haben sollte. Wie kann man nur annehmen, dass ein Tram die Rosengartenstrasse raufkommt. Das ist schon unter normalen Witterungsbedingungen utopisch, dürfte aber bei einer Witterung, wie eingangs geschildert, ganz unmöglich sein. Aber, nichts ist unmöglich – auf dem Papier. Deshalb musste sich der Gemeinderat an seiner Sitzung vom 12. November mit dieser Frage beschäftigen. Mit 72 zu 41 Stimmen nahm er die Initiative an. Nicht nur das. Der Gemeinderat machte deutlich, er wünsche eine Prüfung des Rosengarten-Trams, ohne die Frage zu klären, wo der Individualverkehr ohne Einbezug des Waidhaldetunnels durchgehen soll. Das Tram subito, Physik, Verkehrsaufkommen und gesunder Menschenverstand sind egal! Die Westumfahrung wird einen Teil des Durchgangsverkehrs aufnehmen. Der Stadtrat plant deshalb, Hardbrücke und Rosengartenstrasse auf zwei Spuren zu verengen. Auf der restlichen Verkehrsfläche soll dereinst das Tram spulen. Mehr Physikunterricht an der Volksschule täte Not. Mit Sozialkompetenz allein kommt man da nicht weiter. Oder darf es ein Zahnradtram sein?