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27.11.2008: Kulturpolitik in der NZZ

Ist das die gleiche Zeitung, die ich 1998 abbestellte, weil ich als frischgewählter Gemeinderat erstaunt feststellte, dass es mein bisheriges Leibblatt mit der Wahrheit locker nahm? Die NZZ hieb uns in die Pfanne, wann immer es ging. Manchmal hatte man das Gefühl, an einem anderen Anlass gewesen zu sein als der NZZ Journi. Und jetzt das! "Zürichs Kultur kostet zuviel". Wie wahr! Am kommenden Mittwoch wird der Gemeinderat im Rahmen des Voranschlages über die Kulturausgaben debattieren. Die SVP war schon seit jeher der Meinung, der Stadtrat unterstütze alles und jeden, der nur annähernd wie ein Kulturschaffender aussieht. Das ist nichts Neues und fand seinen Ausdruck ja auch in unserem konsequenten Kampf gegen die Mietkostenübernahme für das Cabaret Voltaire. Neu ist hingegen, dass auch FDP, CVP, EVP und sogar die Grünen damit beginnen, kritische Fragen zu stellen. Zwar lehnt nur die SVP das gesamte Budget des Kulturbereichs ab, aber es scheint, dass die künftig fehlenden 600 Millionen Franken Steuereinnahmen auch andere zum Denken anregen. Kann es sein, dass die Kultursubventionen mehr als 90 Millionen Franken im Jahr betragen dürfen? Kann es sein, dass diese Beträge automatisch der Teuerung angepasst werden? Kann es sein, dass neu 350'000 Fr. für die Subvention des "Jungen Schauspielhauses" ausgegeben werden sollen, wenn gleichzeitig das Kinder- und Jugendtheater leer ausgeht und künftig auch noch durch das staatliche Schauspielhaus konkurrenziert werden soll? Dergleichen Fragen gäbe es noch mehr. Aber ganz neu ist, dass einerseits die SVP nicht mehr allein gegen diesen Unsinn kämpft und andererseits nicht mehr pauschal in den Topf der tumben Kulturbanausen geschmissen wird, wenn sie ihre Forderungen stellt. Sogar die Gralshüterin der Kultur, die NZZ unterstützt nicht nur unterschwellig, sondern in wohlgesetzten Worten. Wer das Mittragen der SVP Position im Fall Dada-Haus durch die NZZ noch als erfreulichen Ausreisser gefeiert hat, darf nun feststellen, dass da offensichtlich eine Kehrtwende längerer Dauer stattfindet. Es scheint in der Redaktionsstube ein neuer Wind zu wehen. Dürfen wir hoffen, dass die NZZ sich vom journalistischen Mainstream verabschiedet, um wieder bürgerlich zu werden? Kann es sein, dass die schwindenden Abonnentenzahlen die Direktion zur Besinnung kommen lassen? Hatte meine Kündigung des Abonnements vor zehn Jahren also in der Summe mit anderen verärgerten Lesern doch einen Sinn? Das gibt Hoffnung. Leserbriefe, Telefonanrufe auf die Redaktion, Abo-Kündigungen wirken. Wir können also künftig sogar mit dem Segen der NZZ mit unserer Ordnungspolitik weiterfahren. Es dämmert!

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