Martelli wählen?
Wir wissen: ohne Unterstützung der SVP wird Kathrin Martelli nicht Stadtpräsidentin - das weiss übrigens auch die FDP. Ich weiss: wir SVP Wähler sehen in Kathrin Martelli nicht die Erfüllung unseres politischen Traumbildes. Die Unterschiede waren und sind vorhanden. Sie können nicht überkleistert werden. Wir haben die Ablehnung von Mauro Tuena durch Kathrin Martelli nicht vergessen und auch ihr Verständnis für die Anliegen der illegalen Kirchenbesetzer kann uns nicht gefallen. Aber, wir wissen: wird Kathrin Martelli nicht Stadtpräsidentin, kann Roger Liebi niemals Stadtrat werden. Bei allen Vorbehalten macht das die FDP-Kandidatin ziemlich annehmbar. Eine Gegenüberstellung in der NZZ vom 15.12.08 und ein Meinungsvergleich zwischen den Kandidatinnen für's Stadtpräsidium im Tages-Anzeiger vom 12.01.09 zeigen aber doch wesentliche Unterschiede, die zugunsten von Frau Martelli ins Gewicht fallen. Martelli ist gegen ein Tram auf der Rosengartenstrasse, Mauch dafür. Martelli will die Ausgaben einschränken, Mauch will noch mehr Geld einsetzen für Kultur, Soziales, Krippenplätze und städtischen Wohnungsbau mit Kostenmiete. Martelli will den Finanzplatz stärken, das Gewerbe sowie den Flughafen fördern und in die Hochschulbildung investieren. Mauch möchte Zürich noch bekannter machen (dafür haben wir ja Ledergerber als Tourismuszampano). Fazit: es stehen sich bürgerliche Mitte und linker Feminismus gegenüber. Wählen wir Martelli, wählen wir nicht unser Ideal, aber wir verhindern die Wahl von Mauch und eröffnen eine echte Chance für Roger Liebi. Im Idealfall werden Martelli als Präsidentin und Liebi als Stadtrat gewählt. Im weniger idealen Fall wird Martelli Stadtpräsidentin und Mauch Stadträtin. Das könnte uns zwar nicht gefallen, würde aber mindestens Zwietracht zwischen FDP und SP säen. Das ergäbe neue Perspektiven, weil die unselige Koalition der Vernunft ein Ende erführe. Man kann mir vorwerfen, ich würde langsam weich. Mit einem harten Kopf dauernd in die Wand zu rennen, bringt aber auch nichts. Wenn wir wirklich in den Stadtrat wollen, kommen wir um das sprichwörtliche Krötenschlucken nicht herum. Das breit abgestützte Komitee aus Verbänden hat sich ausserdem längst formiert. Es beteiligen sich die Zürcher Handelskammer, der Hauseigentümerverein Zürich, der Kantonale Gewerbeverband, Gastro Zürich, die City-Vereinigung, der Verband Zürcher Handelsfirmen, die Vereinigung zürcherischer Arbeitgeberverbände der Industrie und natürlich FDP und SVP. Was wir tun, hat einen konkreten Nutzen für Betriebe, Steuerzahler und Bürger unserer Stadt. Eine bürgerliche Mehrheit in der Exekutive rechtfertigt unseren politischen Kompromiss.
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