Der Kantonsrat sass den ganzen Tag und debattierte über drei Initiativen zur Einschränkung der Entwicklung des Flughafens Kloten. Medien, Bürgerinitiativen, Gemeindevertreter, ja sogar der Präsident des Landrates von Baden Württemberg wollten sich die Marathondebatte nicht entgehen lassen. Der Regierungsrat hatte alle drei Vorstösse ohne Gegenvorschlag abgelehnt. Nun musste sich der Kantonsrat äussern zur Verteilungsinitiative sowie den Behördeninitativen zur Beschränkung der Flugbewegungen bei 320'000 pro Jahr und mindestens acht Stunden Nachtsperrzeit und keine Neu- und Ausbauten von Pisten. Wurden die ersten beiden Initiativen verworfen, nahm der Rat die dritte an. Obschon im Flughafengesetz steht, dass jeder Ausbau des Flughafens einen referendumsfähigen Kantonsratsbeschluss benötigt, das Volk also ohnehin darüber würde befinden können. Gestern stand in der Zeitung, dass der Flughafen Ausbaupläne im Betrag von einer Milliarde Franken plane. 4000 Arbeitsplätze könnten so geschaffen werden. Was dies in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit für Zürich und die Agglomeration bedeuten könnte, ist wohl klar. Oft wird die gute Lebensqualität für Firmenansiedlungen in Zürich angeführt. Seit einer Umfrage bei Firmen in der Stadt wissen wir, dass die günstige Steuerlage im Vergleich zu europäischen Städten ebenfalls mitentscheidend ist. Die Verkehrslage ist aber für internationale Unternehmen ausserdem wichtig. Zürich hat eine hohe Lebensqualität, die weiss man aber erst dann zu schätzen, wenn Direktanbindungen ab Zürich Kloten in die Zentren der Weltwirtschaft angeboten werden. Ich verstehe ja, dass Fluglärm lästig sein kann. Warum aber ziehen immer mehr Menschen in die Nähe des Flughafens? Weil sie der Lärm abstösst? Weil es dort so schlimm ist zu wohnen? Vermutlich doch eher das Gegenteil. Der Zürich Kloten wurde kürzlich zum beliebtesten Umsteigeflughafen für Geschäftsreisende gewählt. Statt dass wir uns am Erfolg freuten und der Flughafenbetreiberin Unique möglichst gute Rahmenbedingungen schafften, schmeissen wir Sand ins Getriebe. Gelegentlich fragt man sich schon, was wir eigentlich noch wollen; den Fünfer, das Weggli und die Bäckerstochter noch obendrein? Der Zürcher Fluglärm Index hat ausgewiesen, dass aufgrund der vielen Zuzüge heute 46'000 Menschen durch den Lärm des Flugverkehrs beeinträchtigt werden. 47'000 ist die Limite, ab welcher zwingend gehandelt werden muss. Der Regierungsrat hat die Volkswirtschaftsdirektion bereits jetzt damit beauftragt, ihm bis Ende Jahr Massnahmen zur Lärmreduktion vorzuschlagen. ZFI und Flughafengesetz erfüllen ihren Zweck. Warum also müssen wir einen Betrieb kujonieren, der Geld verdient, Arbeitsplätze schafft, für die Wirtschaft unerlässlich ist und von dem aus alle – auch die Kritiker – in die Ferien fliegen?
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