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13.03.2009: Rache oder Verantwortung?

Lucie Trezzini ist von einem Geistesgestörten umgebracht worden. Was soll man dazu sagen? Der Fall ist schlimm und reiht sich ein in eine ganze Serie von ähnlichen Dramen, das letzte bisher ist wohl der Taximord. Immer wieder kommen Täter zum Vorschein, die bereits verurteilt oder sonst als gefährlich erkannt wurden. Immer wieder sind es Täter, die – im Nachhinein betrachtet – nicht genügend konsequent behandelt wurden. Klar, im Nachhinein ist man immer schlauer. Immerhin hat aber das Volk die Verwahrungsinitiative angenommen. Es bestünde also ein klarer Auftrag des Souveräns an die Politik, die entsprechenden Gesetze zu erlassen. Würden gefährliche Gewaltstraftäter konsequent verwahrt, könnten solche Gewalttaten nur noch von denjenigen Irren ausgeführt werden, die noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Können wir als Gesellschaft damit leben, wenn Leute für immer verwahrt würden, die gar nie rückfällig geworden wären? Wer kann schon ausschliessen, dass jemand sich bessert? Wer kann ausschliessen, dass ein intelligenter Sadist sich als geheilt verstellt, nur um – kaum auf freiem Fuss – erneut zuzuschlagen? Eine absolute Sicherheit gibt es kaum. "Rache und Recht" betitelt der Tages-Anzeiger den Kommentar von Jean-Martin Büttner in der Mittwochsausgabe. Er ortet Widersprüche in der Gesellschaft, die sich über solche Morde entsetzt, "den täglichen Tod auf der Strasse aber zum Restrisiko erklärt" und zugleich "an Filmen Freude hat, in denen Massenmörder die Hauptrolle spielen". Natürlich hat Herr Büttner Recht, wenn er darauf verweist, dass auf der Strasse täglich Menschen sterben, ohne dass davon gross Notiz genommen wird. Aber ist das eine Haltung? Letztlich sei unsere Gesellschaft krank, wird unterstellt. Der geisteskranke Mörder wäre nur ein bisschen kränker als die Gesellschaft. Er sei deren Produkt. Der Einzelne ist in seiner Welt gefangen, darf aber trotzdem auch als Unzurechnungsfähiger frei herumlaufen. Schlägt er zu, dann ist das Schicksal, sagt Herr Büttner. Ist es nicht so, dass unsere Justiz ganz einfach nicht wusste, was mit dem Mann anzufangen war? Er hätte konsequent von den Drogen entwöhnt werden müssen. Er hätte entweder eingesperrt oder dann mindestens so überwacht werden müssen, dass er nicht wieder zu Drogen hätte greifen können. Wir haben aber eine Drogenpolitik, die nicht Abstinenz zum Ziel hat, sondern einen "risikoarmen Umgang mit Drogen". Bleiben wir beim Beispiel des Strassenverkehrs. Auch der schlimmste Raser will niemanden umbringen, er sucht den Kick in der Geschwindigkeit. Wo Raser den Tod von Unbeteiligten in Kauf nehmen, sucht ein Triebmörder Opfer gezielt und bringt sie um. Solche Leute gehören hinter Gitter. Die Gesellschaft hat ein Recht auf Schutz. Das hat mit Rache nichts zu tun, sondern mit Verantwortung.

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