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16.04.2009: Bildungsaufstand
Endlich! Erleichterung macht sich breit. Endlich scheint den Lehrern der Kragen zu platzen. Die x-te Reform der Volksschule hat nun bewirkt, dass die Sekundarlehrer in Gossau den Aufstand proben. Der konkrete Fall, nämlich die Englischausbildung fürs Lehrpersonal, mag auf den Normalbürger nicht dramatisch wirken. Warum regen sich die Lehrer über so eine Kleinigkeit auf? Es ist eben die x-te Kleinigkeit. Die Klassen wurden grösser. Nicht nur aufgrund von Sparmassnahmen der SVP, sondern weil die Sonderklassen aufgehoben wurden und die Schwachbegabten und teilweise auch behinderte Kinder in die Regelklassen "integriert" wurden. Ideologisch wurde immer behauptet, es gehe damit allen besser. Den "normalen" Kindern, weil sie lernten, auf andere Rücksicht zu nehmen und ihnen zu helfen (= Sozialkompetenz) und den weniger starken Kindern, weil sie sich in der Welt der leistungsfähigeren aufgenommen fühlten. Wer solche Ideen abwegig fand, wurde als rückständig abgestempelt. Kürzlich bestätigten mir die Eltern eines Mädchens, das in die Klasse einer meiner Töchter "integriert" worden war, wie sehr ihre Tochter unter der Situation gelitten hatte. Sie sieht aufgrund einer Behinderung schlecht und ist etwas langsamer. Fakt ist, dass die "normalen" Schüler neidisch auf diejenige reagierten, die einen besonderen Tisch, Stuhl und eine extra Lampe kriegte. Ausserdem erhielt sie viel mehr Aufmerksamkeit der Lehrerin sowie von Sonderpädagogen. Damit galt sie bald als privilegiert. Dass genau das Gegenteil der Fall war, konnten die Kinder in der 1.-3. Klasse zunächst nicht verstehen. Später schon, aber die Erkenntnis konnte nicht verhindern, dass für das betroffene Mädchen die Schule ein Ort der Anfeindungen und der negativen Gefühle blieb. Es war sich darüber hinaus sehr wohl bewusst, dass es langsamer war als die übrigen – ein absoluter Horror. Heute geht die inzwischen zur jungen Dame Herangewachsene in eine spezialisierte Privatschule und fühlt sich dort sehr wohl. Warum denn ist man früher auf die Idee gekommen, die Kinder nach Stärke in verschiedene Klassen einzuteilen? Vermutlich, weil sie so klassenweise, ihren Fähigkeiten entsprechend, erfolgreich und einheitlich ausgebildet werden konnten. Der Lehrer hatte eine einigermassen homogene Gruppe vor sich, in der er sich auf die Einzelnen einstellen konnte, ohne dass die Klasse gleich Papierflugzeuge steigen liess. Die Lehrer blieben länger bei ihrem Beruf und benötigten keine "Anreize" wie lohnwirksame Beurteilungen. Dafür hatten sie weniger Teamsitzungen, Elternbeiräte, brauchten selbst weniger psychologischen Beistand und Coaching. Den Schülern vergeht die Freude am Lernen. Anscheinend vergeht nun den Lehrern die Lust am Lehren. Es ist höchste Zeit, die Bildungsdirektion zu stoppen, um die Volksschule zu retten!Zurück
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