"Am 22. November 1830 strömten zirka 10'000 Menschen auf den Ustermer Zimikerhügel, um auf friedliche Weise gegen die Bevormundung der Landschaft durch die Stadt zu demonstrieren." So beginnt der Text zur Erklärung des Ustertages auf der Homepage der Namenspatin Uster. Die Stadtzürcher wussten es schon immer besser. In der Stadt da wohnen die Klugen, Gebildeten und Begüterten. Ihr Wissen liessen sie leuchten über der Landschaft. So waren der Pfarrer und der Lehrer auf den Dörfern in der Regel Stadtzürcher; der Landvogt sowieso. Aber, ohälätz, es kommt der Moment, da platzt den Dummen der Kragen, weil sie zu klug sind, um immer die Dummen für die Klugen zu spielen. Die Stadt wurde in die Knie gezwungen, es entstand eine Kantonsverfassung, welche die Herrschaft umkehrte. Seither ist das Rathaus zu Zürich im Eigentum des Kantons, obschon es die Stadtzürcher aufgestellt haben. Eine unmittelbare Folge des Ustertages war die Forderung des Kantons, die Stadt habe ihre Schanzen zu schleifen. Die Landschaft fühlte sich durch die Befestigungen ausgesperrt. Die Stadt musste dem Druck nachkommen. Die Schanzen wurden als Bauland neu erschlossen. Universität, ETH, Bahnhof und Bahnhofstrasse entstanden. Die Stadt konnte sich entwickeln. Grosszügigkeit war Trumpf. Die liberale Staatsordnung führte dazu, dass Intellektuelle aus dem geknechteten, restaurierten Europa nach Zürich strömten. So scharten sich verfemte Liberale in der Stadt, die daraufhin prosperierte und sich Athen an der Limmat nennen durfte. Heute steht das Rathaus nicht mehr an einer Hauptverkehrsader, sondern am "verkehrsberuhigten" Limmatquai. Die Stadt hat seit der Eröffnung der Westumfahrung damit begonnen, neue Stadtmauern zu errichten. Der Torwächter ist zwar durch Lichtsignalanlagen ersetzt worden, die Funktion der Pförtneranlagen ist aber noch immer dieselbe. Es wird kontrolliert, wie viele Fahrzeuge zu welcher Zeit in die Stadt einströmen und wie viele wieder hinaus. Der Bürger wird gelenkt. Früher wurden in der Nacht die Pforten geschlossen. Heut will die SP nächtens auf Stadtgebiet generell Tempo 30 einführen. Die Stadtzürcher wissen, wie es zu gehen hat. Es kann nicht sein, dass die Landschaft mit dem Auto nach Zürich kommt und den Frieden stört. Die Stadtzürcher wollen die Stadt verkehrsfrei und sind damit konsequent und erfolgreich. Ich habe keinen Stau, kann in jede Richtung durch die Stadt fahren, finde einen Parkplatz. Die Staus stehen vor den Toren. Ob das für die Landschaft Sinn macht? Der Regierungsrat lässt die Stadt machen. Die Pendler, die auf das Auto angewiesen sind, stehen draussen vor der Pforte, die anderen in der S-Bahn. Als Stadtzürcher erwarte ich den nächsten Ustertag, damit wir die Schanzen schleifen und prosperieren können. Wann platzt der Landschaft endlich der Kragen?
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