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22.05.2009: Anne Bäbi Jowäger

"Der Mann, zu welchem Anne Bäbi wollte, hatte einen grossen Ruf weit und breit, und je weiter er von ihm war, desto grösser war sein Ruf, wie es oft geht, dass etwas von weitem das Gegenteil scheint von dem, was es ist, wenn man es in der Nähe sieht. So geschieht es oft, dass von einem Menschen ein Ruf daherkömmt aus einem Graben oder einem Städtchen, zwischen welchen oft kein grosser Unterschied ist, dass man glaubt, der liebe Gott habe den König David und den König Salomo und gar noch den Erzvater Abraham zusammenschweizen und wieder sichtbarlich erscheinen lassen in jenem Graben oder Städtchen, und Respekt kriegt ganze Hutten voll; alles Krumme werde der grad machen, alles Saure süss, alle Löcher ganz, alle Dummheit gut, kurz, das werde der Mann sein, der alles wisse, alles könne, alles heile; so meint man. Und hat man endlich dieses Wundertier an der Sonne, so ist es schon kein Wundertier mehr, sondern eine ganz gemeine Person; und stellt man es an die Deichsel, so ist es nicht einmal ein Mann mehr, sondern manchmal ein simples Füchslein, manchmal bloss ein Windbeutel, ja manchmal eigentlich gar nichts als ein Tropf." Am Wochenende stimmte das Schweizer Volk der Volksinitiative "Zukunft mit Komplementärmedizin zu". Das Volk glaubt, es könne mehr Leistungen verlangen und trotzdem weniger Krankenkassenprämien zahlen. Die Schulmedizin sei ohnehin an den hohen Preisen schuld. Da seien die Komplementärmediziner die Glaubwürdigeren. Die meisten Richtungen der Komplementärmedizin können nicht mal beweisen, dass sie etwas nützen – schön, wenn sie nicht schaden. Doch fragen wir uns, wie wir es mit der Wissenschaft halten. Glauben wir objektiven Daten? Glauben wir daran, dass Impfungen Krankheiten ausrotten können oder finden wir es hilfreich, wenn unsere Kinder an Masern erkranken, erblinden oder Hirnschäden davon tragen, damit sie an der Herausforderung wachsen? Glauben wir daran, dass Gott die Welt in 7 Tagen erschaffen hat oder sind wir der Meinung, das mit der Evolution sei vermutlich nicht gänzlich von der Hand zu weisen? Die Wissenschaft ist bisweilen gnadenlos. Doch hören wir Jeremias Gotthelf zu. Der schrieb vor 200 Jahren Bücher, die wir wieder lesen sollten: "Vielleicht heilt hier und da ein Quacksalber einen alten Schaden scheinbar, aber zum grössten Schaden der Kranken, jedoch zu seinem eigenen grossen Ruhm, und was will er mehr! Denn nun wir die ganze Welt vollposaunet, wie man jahrelang umsonst gedoktert, und wie der und der einen nun radikal kuriert hätte. Wenn dann das Übel an einem anderen Orte ausbricht, so bleibt doch der Ruhm der Heilung, oder wenn der böse Ausfluss sich auf die innern Teile wirft, auf die Lunge zum Beispiel oder sonst wohin, so denkt kein Mensch daran, wer das gemacht, und wer schuld an dem dadurch erfolgten Tode ist."

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