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05.06.2009: Das Stadion ist tot, es lebe das Stadion!

Die Zeiten sind hart. Die Gewerkschaftsfunktionäre lassen ihre Arbeiter demonstrieren, fordern höhere Investitionen des Staates, ganzjährliche Kinderbetreuung und Renten für alle. Schön wäre es gewesen, wenn in dieser Situation die 600 Millionen privater Gesamtinvestitionen für das Stadion Zürich hätten ausgelöst werden können. Hätten, weil der Stadtrat am Mittwoch in aller Verschwiegenheit die Parteienvertreter und ausgesuchte Gemeinderäte darüber orientierte, dass das Grossprojekt gestorben ist. Die hartnäckige Opposition der "Anwohner" hat die Investoren zermürbt, so dass sie auf das Projekt verzichten. Seit im Jahr 2001 der Architekturwettbewerb durchgeführt und 2003 die Volksabstimmung einen Ja-Stimmenanteil von nicht ganz 60% brachte, ging nichts mehr. Die Verbände hatten zwar nach einer Einigung darauf verzichtet, weitere Einsprachen zu machen. Wer aber die Zusammensetzung der "Anwohnerschaft" betrachtet, kommt zum Schluss, dass es da jedenfalls ziemlich eigenartige Zufälle zu geben scheint. Der Einspruch der Anwohnerschaft ist politisch viel weniger anrüchig als jener der Verbände und weil die Volksinitiative zur Abschaffung des Verbandsbeschwerderechts dräute, wollte man wohl nichts riskieren. Aber in Zürich kann man die Anwohner – insbesondere von antikapitalistischen Zellen wie der Siedlung KraftWerk1 problemlos antibourgeois radikalisieren. Sie gehören ohnehin zur gleichen politischen Richtung, derjenigen eben mit den üppigen staatlichen Investitionen, Ganzjahresbetreuung, Kostenmiete und Renten für alle. Rechtsmittel werden dazu missbraucht, ein Projekt vergammeln zu lassen. Materiell wurde durch die Einsprachen folgendes erreicht: Die höchste Ecke des Bauwerks musste um 12 cm gesenkt werden und statt 2,52 Mio. Fahrbewegungen im Jahr durften es noch 2,2 Mio. sein. Die Senkung um 12 cm führte zu einer Änderung, die wiederum Rekursmöglichkeiten bot usw., usw. Kein Wunder, dass CS und Stadt das Handtuch warfen, angesichts eines endlosen Instanzenwegs und "einem mittleren, zweistelligen Millionenbetrag" Verlust. Neu sollen Nutzung und Stadion getrennt werden. Ein Fussballstadion ohne Mantelnutzung und daneben eine Siedlung mit Wohnungen und Büros. Das Einkaufszentrum ist gestorben. Ob allerdings die Stadt die nötigen 100 Millionen finanzieren kann, die sie neu bringen muss und ob die "Anwohner" auf die Hochhäuser gnädiger reagieren als auf das Super-Stadion, muss sich erst weisen. Nach dem Kongresshaus hat also auch das zweite Prestige-Projekt à la Ledergerber sein unrühmliches Ende gefunden. Abgeschossen von den gleichen Linken, die alles fordern und nichts geben, von den gleichen, die auf der Strasse gegen den Kapitalismus demonstrieren und sein Geld wollen. Wir sehen die Folgen von zu viel Sozialismus täglich wachsen. Die Wahlen sind nah!

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