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12.06.2009: Fernes Spanien – ganz nah!

"Eine aufgeräumte Werkhalle, in der nicht (mehr) gearbeitet wird. Sieht nicht nach Feierabend aus. Die beiden Männer in Overalls, Werkschuhen und Schutzhelmen haben nichts zu feiern. Es sind Arbeiter der grossen Werft Naval Gijon in Vigo, einer Hafenstadt in Galicien. Das traditionsreiche Unternehmen wird Ende Monat geschlossen. Während 20 Tagen haben die Leute, die in Frühpension geschickt oder entlassen werden, die Gebäude der Schiffbaugesellschaft besetzt und Lohnfortzahlung eingefordert, teilweise mit Erfolg. Einige Zusagen haben sie erhalten. Jetzt sind sie des Kämpfens müde. Stecken und Megafon brauchen sie kaum mehr. Denn was sie nun erwartet, ist für viele in ihrer Stadt, Metallarbeiter beispielsweise, längst bittere Realität: Langzeitarbeitslosigkeit. Die führt nicht nur in die Armut, die führt viele in ein Elend, das man nicht mehr laut hinausschreit in die Welt." So die Bildbeschreibung auf der Hintergrundseite des Tages Anzeigers. Käthi La Roche, Pfarrerin am Grossmünster zu Zürich kommentiert das Bild von Eloy Alonso/Reuters. Solche Texte sind wir uns aus dem Tages Anzeiger gewohnt. Sozialkritisch, ans Herz greifend. Das soziale Gewissen eben, die menschliche Ebene betreffend, das vertiefende,  das einzelne Schicksal aufgreifende, aufwühlend, den Fokus eng wählend, beklemmend, unausweichlich, menschlich, halt. "Fernes Spanien – ganz nah", so heisst der Bildtitel. Wir sind betroffen, in der Stube sitzend, das Papier in Händen, mitschuldig quasi, traurig, Globalisierung, Schuld, die Pantoffeln drücken, raus auf die Strasse, demonstrieren ist der Reflex, die Abzocker sind schuld, das Volk wird gedrückt, Angst, Ach, Schreck, Stille, Reflektion, Denken, links, Sozialismus, Marx hatte Recht. Schön, wie eine Zeitung uns erhellt, hilft. Kritisch der Unterton, menschlich relevant die Inhalte, den Schwachen zeigend. Der unabhängige Journalist als kritisches Gewissen der Gesellschaft, vereint mit der Pfarrerin. Der Schreibende erinnert sich an seine Podiumsdiskussion, als die circa 60jährige ziemlich gut erhaltene, ehemals Schöne vom Zürichberg (das ist eine Unterstellung) mit einem 20jährigen Schwarzen neben sich vergeistigt für alle in der St. Jakobskirche kreischte: "Jesus war ein Sozi!". Gott so ein Moment! Solche Augenblicke ("verweile, denn Du bist so schön!") zu erfassen und für den Leser transparent zu gestalten, ist die noble Arbeit des Journalisten. Da geniesst er Narrenfreiheit, kann hetzen gegen das Kapital, wird geschützt von verantwortungsbewussten Verlegern, solchen wie Herrn Coninx, mit Fliege, progressiv, zurückhaltend, verantwortlich, der Idee verpflichtet, wie auch der Gesellschaft. TA Media wird ¼ ihrer Redaktion in Zürich entlassen und 19 von 54 Journalisten beim Bund. Verantwortlich? Wer? Coninx? "Fernes Spanien – ganz nah" Ha!

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