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14.07.2009: Homo homini lupus

Drei sechzehnjährige Schweizer prügeln einen norddeutschen Handelsreisenden halb tot. Der Zufall führte die vier in München zusammen. Die Küsnachter Schüler hatten zuvor drei Arbeitslose und einen bulgarischen Studenten zusammengeschlagen. Was schützt uns eigentlich davor, von jemand verdroschen zu werden? Was ist es, das die meisten von uns zurückhält, einfach unseren Trieben zu folgen und zu tun, was wir tun könnten, wenn wir wollten? Schläger, Abzocker, Betrüger, Diebe, Raser all das könnten wir alle auch sein. Wir sind es aber nicht. Es sind nicht nur die Gesetze, die uns davon abhalten. Es sind wohl eher Konventionen im Sinn von "das tut man nicht" und die Einsicht, dass wir anderen damit Schaden zufügen. Mani Matter sang einst das "Lied fo de Hemmige" und traf den Nagel so ziemlich auf den Kopf. Nur wir selbst können uns daran hindern, etwas zu tun oder zu lassen. Das Bewusstsein muss mit Warnlampen und Sperrhebeln ausgestattet sein, die uns am Ausrasten hindern. Es gab schon immer Leute, denen diese Sicherungen fehlten. Alle gesellschaftlichen Konventionen konnten auch vor drei- oder vierhundert Jahren nicht verhindern, dass Irre unterwegs waren. Nur waren Moral und Konvention viel stärker und einheitlicher in der Gesellschaft verankert. Viel rascher als heute wurde abweichendes Verhalten geächtet. Leute wurden entweder versorgt oder verbannt. Die Strassen waren trotzdem nicht sicherer als heute. Im Gegenteil waren Reisende für gewöhnlich bewaffnet, um sich vor Überfällen zu schützen. Ein Degen an der Seite diente zu mehr als der Zierde. Der Mensch galt schon immer als unberechenbar. "Homo homini lupus", der Mensch ist dem Menschen ein Wolf schrieb Plautus etwa im Jahr 200 v. Chr.; genauso gut kann der Mensch für sein Gegenüber aber auch ein Gott sein. Diesen Gegensatz legte Thomas Hobbes im 17. Jahrhundert seiner Staatstheorie zugrunde. Wie können die guten Kräfte gefördert und die bösen gebändigt werden? Diese Fragen haben wir bis heute offensichtlich nicht gelöst. Aller Ordnungspolitik erwachsen Grenzen. Doch wollen wir nicht resignieren. Es gibt sehr wohl Zersetzungserscheinungen in unserer Gesellschaft, denen wir entgegenwirken können. Mehr gesellschaftliche Konvention hülfe den Eltern bei der Erziehung; mehr Ehrfurcht vor dem Leben und dem Tod im Allgemeinen, härtere Sanktionen für abweichendes Verhalten könnten die soziale Kontrolle und die Abschreckung der Labilen fördern und diese auf Kurs halten. Bleibt noch die Frage des Opferschutzes. Was tun, wenn eine Gruppe Sechzehnjähriger auf einen zukommt? Wollen sie nach dem Weg fragen oder suchen sie nach dem "Kick"? Soll man das wehrlose Opfer geben oder soll man sich bewaffnen? Wann wird der erste Sechzehnjährige von einem Handlungsreisenden getötet, weil dieser Angst um sein Leben hatte?

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