Am ersten Dezember 2003 wurde in Oberglatt ein Kindergärtler von drei 15 Monate alten Pitbull-Terriern zerrissen. Die Hunde waren legal in der Schweiz, waren zuvor in Italien bei der Grossmutter des Besitzers unter erbärmlichen Bedingungen "aufgezogen" worden. Hier wurden die Tiere im Keller gehalten und misshandelt. Alle waren betroffen, die Politiker "handelten". Teilweise wurden ganze Gesetzesvorlagen eingereicht. Der Regierungsrat gehorchte, machte ein neues Gesetz, die Kommission tagte, Zweifel gab es nur bei den Alternativen und der SVP. Alle anderen konnten nicht mehr zurück. Der Fall des Hundegesetzes ist exemplarisch: 1. Es geschieht ein Verbrechen oder ein Unfall, 2. Alle sind "zutiefst betroffen", der Mob schreit nach Massnahmen. 4. Es wird ein neues Gesetz gemacht, welches das Problem nicht löst, aber wenigstens die Erwartung befriedigt. 5. Die Verwaltung setzt das neue Gesetz um, erstellt eine Verordnung, die Abläufe, Qualitätskontrolle, Sanktionen, Ausbildung und die Begleitung regelt. Alles das kostet neue Gebühren und schafft neue Beamtenstellen. 6. Die Sache ist erledigt, alle vergessen die Geschichte, bis an einem andern Ort ein Verbrechen oder ein Unfall passiert, und alles beginnt wieder bei Schritt 1. Das Hundegesetz kostet die Hundehalter 1.5 Millionen an neuen Gebühren und zwar nur beim Kanton. Die Gemeinden können ihre Gebühren auch noch anheben und werden das wohl auch tun. Und schon sind zwei weitere Fälle passiert, welche die Volksseele kochen lassen. Drei Küsnachter Schüler verprügeln Unschuldige in München und zwei Kinder ertrinken in einem Bach, weil sie von den Eltern nicht begleitet wurden. Es wird nichts nützen, alle Schüler in Ketten zu legen und es wird auch nichts nützen, sämtliche Grosseltern, Onkeln und Tanten mit staatlichen Kinderhütezertifikaten auszustatten. Es gibt ein Tierschutzgesetz, das die Grundlage gewesen wäre, die Pitbulls zu töten. Es gibt Vorgaben, wie Lehrer mit Schülern auf Schulreisen zu verfahren haben. Freier Ausgang mitten in der Nacht gehört nicht dazu, daran würden auch hundert zusätzliche Psychologen nichts ändern. Der Mutter der Elfjährigen war das Sorgerecht entzogen. Warum hatte sie ihre Tochter trotzdem in Obhut und warum übergaben andere Eltern ihre zwei Kinder (6 Monate (!) und vier Jahre) einer Frau, die sie kaum kannten? Trotz Betroffenheit dürfen wir nicht immer neue Gesetze verlangen. Es gibt auch noch den gesunden Menschenverstand. Je mehr Gesetze geschaffen werden, desto weniger werden eingehalten und desto weniger fühlt sich der Normalbürger verantwortlich. Die Gesellschaft darf nicht immer alles dem Staat delegieren. Ausserdem, wer hat noch die Kraft Gesetze durchzusetzen? Die Comagics lassen grüssen. Weniger Betroffenheit, mehr Nüchternheit ist gefragt!
Zurück