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13.08.2009: Grau ist alle Theorie

Die Zahl ausländischer Professoren an unseren Universitäten war schon oft ein Thema. Offenbar ist die Lage nun aber so prekär, dass selbst der Nationalfonds erwacht ist und Massnahmen treffen will, um die Bedingungen für Schweizer Studienabgänger in der Forschung zu verbessern. Die Mehrheit der Schweizer Studienabgänger wählt eine Anstellung in der Wirtschaft oder der Verwaltung. In der Regel lässt sich dort rasch gut verdienen und es stehen interessante Beschäftigungsfelder offen. Nur wenige wählen die Selbständigkeit, die mit Risiko verbunden ist und ebenfalls wenige bleiben an der Universität, um sich als Assistenten in der Forschung zu betätigen, zu doktorieren und später zu habilitieren. Für ausländische Akademiker sind die Arbeitsbedingungen an unseren Universitäten attraktiv. Inzwischen sind mehr als 50% aller Professoren an unseren Unis Ausländer, die oftmals ihre Forschungsgruppen gleich mitbringen und so den freien Platz ausfüllen – aber auch den Schweizern die Plätze wegnehmen. Die Universitäten sind auf einen regen wissenschaftlichen Austausch angewiesen. In der nationalen Abgeschiedenheit lässt sich nichts erreichen, zumal in der kleinen Schweiz. Forscher mit weltweitem Ruf machen sich gut und sind wichtig für internationale Ratings. Andererseits finanziert das Schweizer Volk die Universitäten mit seinen Steuergeldern primär als Ausbildungsinstitute für die inländische akademische Jugend. In den letzten Jahren wurden die Möglichkeiten vervielfacht, einen akademischen Titel zu erlangen. Da sollte doch auch die Zahl derer steigen, die sich später weiter wissenschaftlich betätigen wollen? Vielleicht liegt die Antwort darin begründet, dass die Studenten zum grossen Teil froh sind, der Uni nach dem Abschluss zu entfliehen. Die Bologna-Reform hat mit ihrem Kreditpunktsystem dazu geführt, dass weniger der internationale Studentenaustausch gefördert wurde, als dass die Studien verschult wurden. Das frühere Cliché des Studenten hat definitiv keine Grundlage mehr. Der heutige Student rennt Kreditpunkten nach. Er kennt praktisch keine Semesterferien mehr, während derer frühere Generationen Geld verdienen konnten oder auch Kaderkurse in der Armee absolvierten. Mit einer freien, vertieften Auseinandersetzung mit einem Forschungsgegenstand hat das nichts zu tun. Das fördert keineswegs den kritischen Geist und die Selbständigkeit, wie sie später sowohl in Beruf wie Forschung nötig sind. Das gefällt den Studenten nicht und fördert Anpasser. Kein Wunder, dass diejenigen, die ihr Studium geschafft haben, raschmöglichst das Weite suchen. Vom Ideal des universell gebildeten Akademikers haben wir uns längst entfernt. Dem Schreckensbild des bornierten Fachidioten nähern wir uns hingegen an. Aber das hat mehr mit Bologna als mit ausländischen Professoren zu tun.

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