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08.10.2009: Je Spital desto krank?

Thomas Zeltner verlässt nach 18 Jahren das Bundesamt für Gesundheit. Zu seinem bevorstehenden Abschied als Chef des BAG hat er sich mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit gewandt. Die Gesundheitkosten liessen sich nur bändigen, wenn in der Schweiz mindestens 100 Spitäler geschlossen würden. Tatsächlich lässt der Prämienanstieg die Besorgnis stetig wachsen. Wir haben in der Schweiz eine sehr hohe Dichte an Spitälern. Das gilt auch für Kanton und Stadt Zürich. Christoph Blocher prägte das Bonmot, er habe geglaubt, wo viele Ärzte sind, würden die Leute gesünder. Anscheinend sei das aber umgekehrt. Sind viele Spitäler nicht immer gut für die Gesundheit? Bezogen auf die Chirurgie kann nicht jedes Spital alle Operationen gleich gut ausführen. Vieles liegt an der Zahl der jährlich ausgeführten Operationen und der Qualität der operierenden Ärzte. Pavarotti war ein Meistersänger. Von Shakespeare wird noch immer geschwärmt. Es gibt sie, die Stars. Es gibt sie auch in der Medizin. Sie können mehr und setzen die Standards. Sie erfinden neue Techniken und können sie anwenden. Hat sich eine neue Technik etabliert, kann sie von anderen Chirurgen übernommen werden. Routine und Sicherheit wachsen proportional zur Zahl der ausgeführten Operationen. Es gibt Studien, die nachweisen, dass das Risiko an den Folgen einer Operation zu sterben, um 40% höher liegt, wenn ein Chirurg weniger als 15 Interventionen dieses Typs pro Jahr durchführt. Die gleiche Studie besagt, dass es ein Einzugsgebiet von 2,5 Millionen Menschen braucht, um die chirurgische Abteilung eines Spitals mit so vielen Patienten zu versorgen, dass die Ärzte auf eine genügend hohe Zahl von Operationen kommen. Auf die Schweiz übertragen, blieben noch drei grosse Spitäler. Eines würde für die Ostschweiz mit Zürich genügen. Selbstverständlich gilt, dass dieses eine Spital die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung nicht leisten könnte. Es braucht die Hausärzte und medizinische Ambulatorien, um die Grundversorgung sicherzustellen. Es braucht aber nicht vor jeder Haustür ein modernst ausgerüstetes Spital, das alle Operationen ausführt. Gegenwärtig besteht die Gefahr, dass wir unser gutes Gesundheitswesen ruinieren, weil wir zu viele Leistungsträger einheitlich entschädigen wollen. Fallpauschalen und Einschränkungen bei der ärztlichen Arbeitszeit behindern gerade die forschenden Ärzte und diejenigen, die ausschliesslich besonders komplizierte Patienten mit hohen Kosten behandeln. Die Fallpauschalen bevorzugt einseitig die industrielle Medizin, die sich auf die lukrativen Eingriffe mit hohem Routineanteil beschränkt und diese qualitativ gut durchführt. Aber nur die hochspezialisierte Spitzenmedizin bringt Fortschritt und Gesundheit bei komplexen Krankheiten. Ohne Konzentration ist das wohl kaum bezahlbar.

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