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22.10.2009: Krasse Unterbringung

In der Strafanstalt Pöschwies ist eine neue Abteilung eingerichtet worden. Sie heisst Forensisch-Psychiatrische Abteilung und wird von Dr. Frank Urbaniok verantwortet, dem Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich. Frank Urbaniok ist zumindest bei der SVP nicht unumstritten. Er verkörpert für uns den Strafvollzug, der eher den Täter denn das Opfer in den Mittelpunkt stellt. Dies ist möglicherweise eine krasse Vereinfachung, aber das Misstrauen gegenüber den Praktiken von Dr. Urbaniok bleibt auch bei mir trotzdem bestehen. Wenn wir die Auskünfte lesen, die wir der Zeitung entnehmen können, dann wird dieses Misstrauen nicht kleiner. Leider hat es der Regierungsrat nämlich versäumt, die zuständige Kommission für Justiz und Öffentliche Sicherheit vorgängig zu orientieren. Die neue Abteilung soll 24 Plätze umfassen. Diese sollen von Männern besetzt werden, die zuvor verwahrt wurden, weil sie Persönlichkeitsstörungen haben und schwere Gewalt- oder Sexualstraftaten verübten. Es sind also diejenigen Straftäter, um die es bei der Verwahrungsinitiative ging, welche das Volk angenommen hat und mit der sich der Gesetzgeber in Bern seither schwer tut. Diese Schwerverbrecher werden alle zwei Jahre auf ihre Therapierbarkeit überprüft. Offenbar gibt es heute 18 Männer, die für dieses Sonderprogramm ausgewählt wurden. Sie sollen nun die mindestens 5 Jahre durchleben, die es braucht, bis allenfalls eine weniger krasse Unterbringung verantwortbar erscheint. Das Wort "krass" drängt sich mir in diesem Zusammenhang förmlich auf. Das Betreuungsverhältnis ist nämlich 1:1. Das heisst, auf jeden Persönlichkeitsgestörten kommt ein Therapeut. Die Häftlinge müssen Putzen und andere Arbeiten verrichten. Wenn sie mit Gewalt reagieren, schreitet der Therapeut ein. Der Sinn der Sache ist die totale Überwachung der Insassen. "Man kann einem Therapeuten nicht zehn Jahre lang 24 Stunden am Tag Fortschritte vorspielen", wird Urbaniok im Tagi-online zitiert. Es kann ja sein, dass ein gefährlicher Irrer lernt, wie er seine Beobachter austricksen kann, um – wieder in Freiheit – sogleich eine Straftat zu begehen. Und hier kommt bei mir das Misstrauen auf. 24 Stunden Überwachung, ein Therapeut pro Insasse; welche Sorte Mensch kann eine solche Arbeit ausführen? Einen gefährlichen Geistesgestörten in sicherer Verwahrung während fünf Jahren täglich während möglichst langer Zeit zu beobachten; gleich einer Amöbe unter dem Mikroskop oder dem Versuchtier im Käfig – aber geht es hier um Menschenversuche oder um Therapie? Lassen wir nochmals den Meister sprechen: "Bei diesen 18 Häftlingen sehe ich aber wenig Chancen, dass sie nach fünf Jahren schon so weit sind". Worum geht es denn dann und welches sind die Motive der Therapeuten, wenn es keinen Therapieerfolg geben kann?

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