Es war einmal in einem kleinen Land, ein reicher, verwöhnter Prinz. Er glaubte, er könne sich alles leisten, weil er so reich war. Er meinte, er sei beliebt bei allen Leuten, weil er die grössten Parties schmiss. Dabei war er eigentlich allein und nicht besonders beliebt. Und wenn es ihm zuviel wurde, dann schlug er drein. Deshalb wurde er verklagt. Zum guten Glück gibt es Leute wie Carl Hirschmann. Warum? Unsere Gesellschaft profitiert enorm von diesen reichen Leuten. Sie zahlen gewaltig Steuern. Sie investieren in neue Betriebe – in unserem Fall ins Saint Germain, ein Restaurant, das in einen hippen Nachtclub umgebaut wurde. Herr Hirschmann mietet eine Suite im Dolder Grand, das ja nicht gerade mit hohem Zustrom verwöhnt wird. Ausserdem liefert uns der junge Prinz eine märchenhafte Geschichte. Die Zeitungen sind voll davon und offenbar ist das Publikum begierig, täglich neue Fakten aus der Familie Hirschmann zu erfahren. Sogar einigermassen seriöse Zeitungen wie der Tages-Anzeiger liefern uns seit einer Woche täglich brühwarm das Neueste zur Causa Hirschmann. Ist das Thema relevant? Nein, nicht wirklich. Ist das Ganze schockierend? Aus meiner Sicht nicht. Ist das Verhalten von Herrn Hirschmann ein moralisches Lehrstück nach dem Muster: Geld allein macht nicht glücklich? Wenn man so will: ja, aber geht uns das etwas an? Im vorliegenden Fall ist das Pikante an der Geschichte, dass eine reiche, junge Schöne einen reichen, jungen Schönen verklagt hat. Es bleibt also in den gleichen Kreisen. Vor zweihundert Jahren hätte die reiche Schöne einen anderen reichen Schönen gefunden, der Herrn Hirschmann zu einem Duell gefordert hätte, was dann wiederum eine noch schönere Geschichte gegeben hätte oder sogar zu einem weltberühmten Roman hätte führen können. Alexandre Dumas hat uns "Die drei Musketiere" hinterlassen. Da geht's mit feiner Klinge um Intrigen, Ehrenhändel, Liebe, Mord und Totschlag – und am Schluss gewinnen die Guten. Heute profitieren im Fall Heizmann nicht mehr die Romanschreiber sondern die Anwälte und Gerichte sowie die Zeitungsverleger und Journalisten. Schade irgendwie, oder nicht? Jedenfalls interessieren uns heute noch immer die gleichen Themen wie schon seit jeher. Auch die Bibel oder die griechischen Sagen sind voller solcher Geschichten. So gesehen bedienen die Medien unsere Neugier und scheinen damit Erfolg zu haben. Die Frage bleibt, was das ganze Theater letztlich sagt? Wir haben demnächst Wahlen und Abstimmungen. Worüber wird genau entschieden? Es bleiben uns in Erinnerung 1. die Minarettinitiative und 2. die Regierungsratswahlen. Warum? Weil bei ersterer die Werbung emotional wirkt und weil es bei zweiterem um Personen geht. Man mag es bedauern, aber der Mensch hat sich in den letzten dreitausend Jahren nicht grundlegend verändert.
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