Wolffs Revier

Bruno Sidler, Parteisekretär SVP Stadt Zürich Bruno Sidler, Parteisekretär SVP Stadt Zürich
Der «Tages-Anzeiger» hat die Berichterstattung dieser Woche am Montag mit einer aussergewöhnlichen journalistischen Leistung eröffnet. Aus Anlass des «Tages der offenen Tür» im von den ehemaligen Binz-Besetzern illegal mit Beschlag belegten Koch-Areal in Altstetten wurde der Leserschaft ein begeistert formulierter Werbebeitrag für illegales Wohnen präsentiert. Ob als Bericht über eine städtische Realität oder als Beitrag mit erhofftem Sensationspotenzial in der Sauregurken-Zeit gedacht – eine gewisse Publikums-Wirksamkeit ist einem solchen Text immer gewiss. Aber auch die buntesten und blumigsten Texte können nicht von der Tatsache ablenken, dass eine Hausbesetzung als Hausfriedensbruch zu qualifizieren ist. Es schleckt keine Geiss weg, dass dies eine Straftat ist.

Als pikantes Detail wird berichtet, dass der neue Polizeivorsteher der Stadt Zürich, Stadtrat Richard Wolff, die Hausbesetzer mit seiner Anwesenheit beehrt hatte. Die Stadt Zürich ist das Revier des obersten Polizisten, aktuell kann man von «Wolffs Revier» sprechen. Grundsätzlich soll dem Polizeivorsteher nicht abstreitig gemacht werden, dass er sein Revier kennen lernen will mit Besuchen vor Ort. Trotzdem macht aber Zweierlei stutzig über diesen Besuch. Erstens erklärte der dem «Tages-Anzeiger», es sei bald Wahlkampf und er wolle im Februar wieder gewählt werden. Und er sei hier, um sich dafür einzusetzen, dass Zwischennutzungen wie diese erlaubt bleiben. Zweitens gab er letzthin andernorts bekannt, dass er keine Stellungnahmen abgeben wolle, er sei noch nicht hundert Tage im Amt.

Dass Amtsträger wieder gewählt werden wollen, ist niemandem zu verargen. Dass man dabei aber um die Wählergunst weibelt bei Bewohnern eines illegal behändigten Areals, ist nicht die feine Art. Um Stellungnahmen abzugeben, braucht es nicht immer Worte, ein Besuch ist durchaus geeignet, seine Meinung klar zum Ausdruck zu bringen. Für bürgerliche Wähler, denen eine Wiederwahl nicht so zu pass kommt, sind das frühzeitig ausgesendete Signale zur klaren Meinungsbildung.

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