Kongresshaus – teuer und kompliziert!

Volksabstimmung vom 5. Juni 2016

Katrin Widmer, Gemeinderätin SVP Zürich 1/2 Katrin Widmer, Gemeinderätin SVP Zürich 1/2
Die Stimmbürger haben am 5. Juni 2016 über eine Vorlage zur Sanierung von Kongresshaus und Tonhalle zu befinden.

Das 1939 erstellte Zürcher Kongresshaus ist ein Zürcher Traditionshaus mit starker Ausstrahlung. Es bietet Platz für eine Vielfalt von grossen und kleinen Veranstaltungen. Es wurde ausschliesslich für Kongresse gebaut und verfügt über einen grossen Saal und 14 weitere grössere und kleinere Räume und zwei Restaurants. Das Tonhallen-Gebäude, erbaut 1895, mit seinem grossen Konzertsaal, gehört zu den Sälen mit der besten Akustik. Diverse Räumlichkeiten werden auch von anderen Orchestern genutzt.

Sanierung ohne Luxus
240 Millionen Franken will die Stadt für die drei Jahre dauernde Instandsetzung von Kongresshaus und Tonhalle ausgeben. Sehr viel Geld! Sicher ist eine Sanierung nötig, aber soll sie so ausfallen, dass auch die luxuriösesten Wünsche berücksichtigt werden sollen?
  • Der Panoramasaal wird abgebrochen und ein neues Restaurant mit Seesicht-Terrasse an gleicher Stelle erstellt mit entsprechender Infrastruktur und Grossküche.
  • Alles muss Denkmalpflegekonform sein. Wo war damals die Denkmalpflege, als über den Moneo-Neubau mit Abriss des Kongresshauses abgestimmt wurde?
  • Veraltete Gebäudetechnik muss ersetzt werden.
  • Feuerpolizeiliche Auflagen sind einzuhalten.
  • Behindertengerechte Bauweise ist Standard.
  • Musiker- und Gäste-Garderoben müssen dringend erneuert werden
  • Besuchertoiletten sind absolut nicht benutzerfreundlich.

Das sind sicher zwingende Sanierungen. Aber zwischen wünschbar und zweckmässig sollte abgewogen werden. Soll z.B. die Stukkaturdecke im Tonhallensaal für über drei Millionen Franken "nachvergoldet" werden? Bühnentechnik und Beleuchtung etc. könnten auch in bescheidener Form realisiert werden und trotzdem den Anforderungen genügen.

Komplizierte Geldflüsse
Das Kongresshaus- und das Tonhallengebäude haben zwei Hauptnutzende: die Betriebsgesellschaft Kongresshaus Zürich AG ist zuständig für die Vermarktung der Säle und den Gastro-Betrieb. Sie wird zukünftig einen Mietzins, sowie einen umsatzabhängigen variablen Mietanteil entrichten. Die Tonhalle wird neu für die Nutzung der Räume bezahlen, bekommt aber dafür eine um diesen Betrag erhöhte jährliche Subvention. Komplizierte Geldflüsse von gegenseitigen Mieten, Unterstützungen und Subventionen gehen von einer Tasche in die andere.
Dazu kommt die Entschuldung der alten Stiftung von 72,8 Millionen Franken. Dieser Betrag hat sich angehäuft seit der letzten Bausanierung in den 80-er Jahren. Private Sponsoren haben sich damals geräuschlos verabschiedet und haben die Schulden dem Steuerzahler überlassen.

Teures Provisorium
Während der über dreijährigen Bauzeit muss der ganze Betrieb eingestellt werden. Die Betriebsgesellschaft Kongresshaus Zürich AG erledigt nur strategische Aufgaben, ihre Tätigkeit ist auf ein Minimum reduziert. Der Tonhalle-Betrieb muss ausgelagert werden. Den ca. 100 Musikern des Orchesters kann nicht gekündigt werden, weil ein Wiederaufbau eines solchen Ensembles Jahre in Anspruch nähme. Nachdem viele Varianten für einen Ersatzplatz für die Konzerte geprüft wurden, einigte man sich auf die Maag-Event-Hall. Um den akustischen Ansprüchen zu genügen, wird dafür eine aufwendige "Box in the Box" gebaut. Ein einmaliger Beitrag von 1,65 Millionen Franken an die Installation wird von der Stadt übernommen. Aber eine stolze Miete muss jährlich bezahlt werden.

Ständig neue Begehrlichkeiten
Nur um klarzumachen, mit welcher Kelle angerichtet wird: In der letzten Budgetdebatte wurde der Tonhalle-Gesellschaft eine alljährliche Unterstützung von 17 Millionen Franken. für den Personalaufwand bewilligt. Seit dem Jahr 2000 reichen diese Leistungen gerade mal für 70 % der Personalkosten und machen 56,3 % der Einnahmen aus. Ständig kommen neue Begehrlichkeiten, um mit Weltklasseniveau Propaganda zu machen. In Zeiten der Sparmassnahmen sollte es aber auch in Zürich möglich sein, auf gutem Niveau mit bescheidenerem finanziellem Aufwand Konzerte zu veranstalten.
Ausserdem gilt es zu bedenken, dass in naher Zukunft namhafte Kongress-Infrastrukturen von bis zu 6'500 Plätzen im Bau oder in Planung sind (Dübendorf, Kloten und Zürich). Der Stadtrat müsste das Angebot abstimmen und anpassen.
Die SVP sagt Nein zur sehr teuren Sanierung von Kongresshaus und Tonhalle.