Parolen

zur Volksabstimmung vom
10. Februar 2019

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Reifen statt Schaden stiften – zum Sinn der Erfahrung

Dr. Bernhard Im Oberdorf, Gemeinderat SVP Zürich 12 Dr. Bernhard Im Oberdorf, Gemeinderat SVP Zürich 12
Schwindelerregende Vorstösse – auch solche, wie sie im Gemeinderat anzutreffen sind - taugen zum Sammeln von Erfahrungen, an denen alle reifen sollten: damit Quereinsteiger keine Freibriefe haben. Der Schaden wird hingegen gross, gar grenzenlos, wenn fehlende Qualifikation in den Stand des «Kult» erhoben wird.

Wenn man schon im Ratsbericht nicht zu sehr in die Welt ausschweifen und sich auf den eigentlichen Ratsbetrieb beschränken sollte, wird es schwierig, wenn hier wenig politische Substanz zu vermelden ist. So war das auch am jüngsten Ratsabend, bei dem man sich hauptsächlich auf das Verspeisen von vorstössigem grünem Beigemüse fokussieren müsste. Doch denken kann man dennoch in Zusammenhängen.

Einblick in den Leerlauf…
Wenn dem so ist, könnte man gleich die Traktandenliste abschreiben: Unbestritten war der Projektierungskredit für die Operationsabteilung im Stadtspital Waid wie auch ein Objektkredit für zwei Pflegewohngruppen für Demente in den Pflegezentren der Stadt (Glossar: Projektkredit geht als Planungskredit dem Objektkredit für die Ausführung voraus). Nicht unbestritten war eine Weisung im Gefolge einer grünliberal-sozialdemokratische Motion zur Aufwertung des Strassenraumes der Stauffacherstrasse vom Stauffacherplatz bis zur Herman Greulich Strasse (Glossar: Gräulich ist ein Name, aber gräulich bleibt gräulich). Auch die dringliche sozialdemokratisch-grün-grünliberale Motion zur (so der Originalton) «Gesamtplanung im Langstrassengebiet unter Berücksichtigung des Perimeters Badenerstrasse-Feldstrasse-Militär-/Schöneggstrasse-Kanonengasse/Ankerstrasse» macht das Quartier nicht weniger gräulich und kanonisiert die Motionäre noch weniger (Glossar: Kanonisieren heisst in den Stand der Heiligen erheben, Füsilieren steht für erschiessen).
Das Abschreiben des Traktanden-Grünzeugs aus dem Tiefbau- und Entsorgungsdepartementes ersparen wir uns angesichts der Bedeutungslosigkeit dieser Schwindel-Erregenden Traktanden (Glossar: Schwindelerregend steht nicht für «Lügen», sondern im Sinne der Höhenangst beim Blick in die Tiefe; im Dialekt: «trümmlige Vorstösse»). Das war’s dann; geistiges Entsorgen dieser Vorstösse ist das beste für die Psychohygiene. Da kann man im Rat nur noch sarkastische Voten halten.

…als Ort der Gewinnung von Erfahrung
Natürlich ist die Arbeit im Gemeinderat wertvoll – zumindest um sich die politische Erfahrung zu erwerben. Eigentlich müssten alle da beginnen, auch wenn es manchmal als mühsam erscheint. Doch vielmehr feiert das Quereinsteigertum seinen Hype (Glossar:  Quereinsteiger ist nicht zwingend ein Synonym für Querschläger (Glossar des Glossars: synonym steht für «gleichbedeutend»).
Da stellt sich natürlich die Frage, warum das «Quereinsteigertum» seine Urständ feiert – nicht nur in einer Administration jenseits des grossen Wassers (Glossar: dort steht Quereinsteiger vielfach vor allem für beschränkte Qualifikation), sondern auch hierzulande. Während die einen alle Zeit für obligatorische Parteianlässe aufbringen, teilweise berufliche Perspektive opfern und selbst in unteren Chargen viel Disziplin aufbringen, sahnen die Quereinsteiger oben ab – wenn’s denn sein muss gleich im einem nationalen  Parlament – oder noch weiter oben (jenseits des grossen Wassers).  

Bedenkliche und tragische Folgen der Protektion…
Das kann auch damit zusammenhängen, dass Parteien gerne gewisse Personen auf’s Schild heben, möglichst weit oben, weil sie irgendwie ins «Politmarketing» passen. Dies lässt sich illustrieren, wenn die Linke ganz junge und unerfahrene Frauen ohne Leistungsausweis gerne weit oben auf die Liste setzt: Signale sind dann Jugend, Frau, weiter auch Szenenzugehörigkeit, sexuelle Orientierung oder sonst der Bekanntheitsgrad bis hin zum Hausieren mit «Celebrities». Natürlich ist diese Taktik nicht nur auf die Linke beschränkt, sondern ein parteiübergreifendes Phänomen.
Das Bedenkliche daran ist, dass protegierte «Absahner» dann die Entwicklungsperspektiven jener torpedieren, die sich mit vielen Verzichten und mit eigenen Leistungsausweisen durch ihre politische Arbeit eigenständig profilierten. Nichts ist demotivierender als Bäume zu pflanzen und zu pflegen, von denen dann «Fremde» die Früchte pflücken.
Tragisch wird es, wenn politisch erfahrungslose Quereinsteiger, die nie politische Verantwortung getragen haben (es gibt sicher auch die Ausnahmetalente, die eine Förderung verdienen) sich unqualifizierte Aussagen leisten können, die dann fast noch zum Kult emporstilisiert werden; dies einfach deshalb, weil sie von grauen Eminenzen – es können auch rote, orange oder grüne sein - die nötige Portion an Protektion geniessen. Zum Vergleich eine Analogie: In einer katholischen Partei wäre das eine «politische Kanonisierung», derweil eine leistungsbereite Basis als Kanonenfutter zur Füsilierung freigegeben wäre. So wird es zum ganz grossen Problem, wenn durch Parteiräson eine fehlende Qualifikation zum Qualitätskriterium wird, bis hin zum «anything goes» (Glossar: alles geht, auch das Dümmste).

…begrenzt und grenzenlos
Ein Gipfel der Querlage wird erreicht, wenn Quergewinnler im kleinen Rahmen (lies: hier) den Erfolg der Quereinsteiger in einer neuen Welt (lies: dort) als Sieg der Demokratie bejubeln. In den Grenzen der Schweiz, eines Kantons oder einer Stadt hält sich der Schaden solchen Treibens noch in Grenzen; bei einer Weltmacht – welche auch immer - wird durch derartiges Wüten das Desaster grenzenlos.