Hypnotisierte Kaninchen stehen stramm vor Calatrava und Velostation

Aus dem Gemeinderat

Dr. Bernhard Im Oberdorf, Gemeinderat SVP Zürich 12 Dr. Bernhard Im Oberdorf, Gemeinderat SVP Zürich 12
Die Relevanz von Debatten im Gemeinderat ist manchmal fast mit der Bedeutung von Tempolimits auf Hundeversäuberungsstrecken vergleichbar.  Zwar ist diesmal der Tanz um eine Abrissbirne am Bahnhof Stadelhofen kaum weltbewegend: doch ist der Gemeinderat aller Nebensächlichkeit zum Trotz – gerade deshalb? - ein geeignetes Übungsfeld zur Bereucherung mit höheren Weihen – oder zur Entmystifizierung der kommunalen Politik.

Es war wieder einmal ein Abend zum Davonlaufen: Das einzige Geschäft von «monumentaler Substanz» war der Gestaltungsplan zum Haus des Falken am Bahnhof Stadelhofen. Das bisher denkmalgeschützte Haus (man kennt es dank dem Café Mandarin) soll abgerissen und einem Block vom Reissbrett des Kultarchitekten Calatrava weichen, der für eine Versicherung ein Bürohaus hinklotzt, in welchem unter der Erde noch drei Stockwerke tief eine Velostation eingebaggert werden soll.

Gestaltungsplan: Friss oder krepiere
Dass man zu einem solchen Gestaltungsplan nur Ja oder Nein sagen, aber nichts ändern kann, trägt schon den Spaltpilz in sich. Es gibt jedoch zwei Dinge, bei denen die Mehrheit der Parlamentarier im Rat wie hypnotisierte Kaninchen stramm steht: Das eine Reizwort heisst «Calatrava», das andere «Velostation»; beidem scheint man zur Linken zu hofieren, koste es, was es wolle.
Der Kultarchitekt Calatrava hat zweifellos in Lissabon zwischen Flughafen und damaliger Weltausstellung einen bemerkenswerten Bahnhof gebaut, der dort im freien Raum seine Entfaltung findet. Ganz anders verhält sich das beim vom selben Architekten umgebauten Bahnhof Stadelhofen, bei dem Calaatravas Spannweite - eingeklemmt zwischen Mauer undPèlatanden - keine Entfaltung finden konnte, sondern bloss eine Schmalspurlösung bietet. Warum nur hat sich Calatrava dazu hergegeben? Vielleicht will die Stadt es ihm nun aus schlechtem Gewissen heraus ermöglichen, am Stadelhofen ein Denkmal zu setzen.
Das andere autoritäre Reizwort ist das Velo. Für eine Velostation scheuen die Rotgrünen keine Schandtat. Und so wird auch Calatrava heiliggesprochen, selbst dann, wenn es um eine drei Stockwerke tiefe Katakombe für eine Velostation geht.

Sakrileg und Willkür
Der Preis ist nicht nur hoch mit einem Abbruch eines offenbar willkürlich aus dem Denkmalschutz entlassenen Gebäudes.  Ein Beispiel zur Reue, auch wenn die Dimensionen anders waren, gibt zu deken: Eine fälschliche  Entlassung aus dem Schutz gab es schon bei der Tonhalle, bei der man nur die Konzerthalle stehen liess, das historische, kunstvolle Gebäude mit den Türmen jedoch dem Abrissbagger zum «Frass« vorgeworfen hatte.  
Wie Christoph Marty ausführte, stand hinter der ganzen Übung auch ein gerütteltes Mass an Beliebigkeit seitens der Stadt. Er legte dar, dass das Hochbaudepartement es vielen Bauherren erschwert, ihre Vorhaben zu verwirklichen; vor allem dann, wenn der Denkmalschutz seine Autorität auslebt. Doch beim Falken sei diese Behörde geradezu willfährig gewesen – denn so konnte die Stadt ultimativ einen Mehrwert von anderthalb Millionen garnieren und diese Mittel in die Velostation buttern. Das ist, sinngemäss auf den Punkt gebracht,  Willkür in Reinkultur. Und es kam, wie es kommen musste: die linksgrüne Mehrheit unter Einschluss der nach links schielenden Grünliberalen und der Opferlämmer in der CVP stimmten für die Abrissbirne., die FDP hatte wenigstens noch Bauchgrimmen.

Der Rest – blosses Übungsgelände
Den Rest des Abends kann man ohnehin vergessen. Thomas Schwendener legte die Komplexität einer Teilrevision der Bau– und Zonenordnung so präzise dar, dass er die Redezeit der unbestrittenen Vorlagen zweifellos ausschöpfen konnte. Ellenlang diskutieren konnte man um die Videoüberwachung bei Schulhäusern; ebenso endlos schien das Gezerre um eine dritte Badeanstalt an der Limmat – wo soll die denn hin für den stolzen Preis von bis zu 2 Millionen Franken?
Sonst war es wieder eine Sitzung zum Üben. Gerade die Grünen mit den brüllenden Profilierungs-Vorstössen - der dröhnende Auspuffklappen-Vorstoss war der einst der eine, dieser rauschende Badi-Vorstoss jetzt der andere. Auch sonst ist der Rat aller Langeweile zum Trotz zur individuellen Profilierung geeignet: Dazu geeignet wären in Gedanken auch weltbewegende Debatten um die Durchsetzung von Tempolimits auf Hundeversäuberungsstrecken. Oder dann sind in der Realität wüste Voten in der Fäkalsprache ebenfalls geeigent, sich für die honorierte Kolumne «Kurz gesagt» im Tagblatt dienstbar zu machen; den im Zuge des Wechsels dann Abgehalfterten bleibt noch das Nagen am Gnadenbrot; nämlich diesen Ratsbericht zum Teufelslohn zur Geisterstunde und danach verfassen zu dürfen.