Tagesschule: Segen und Gedeih oder Fluch und Verderb?

Fraktionserklärung

Martin Götzl, Fraktionschef, Gemeinderat SVP Zürich 11 Martin Götzl, Fraktionschef, Gemeinderat SVP Zürich 11
Lernen, Kompetenzen, Fertigkeiten, Fähigkeiten, Skills, Leistungsorientierung oder Vorbereitung aufs Berufsleben. Dies wollen wir alle für die Kinder, denn die Kinder sind unsere Zukunft! Doch wie die Kommune die besten Bildungsmöglichkeiten zu bewerkstelligen hat herrscht grosse Uneinigkeit. Dies beweisen auch die zahlreichen Begleitvorstösse und die «Hauruck-Terminierung» dieser Vorlage.

Für die SVP stehen die einleitenden Attribute im Zentrum. Deshalb lehnt die SVP die staatliche Tagesschule im Grundsatz ab und betrachtet diese nicht als zielführend für beste Bildungschancen. Unbestritten ist, dass in der Stadt Zürich auf Grund verschiedener Familienmodelle ein Bedarf nach Tagesschulen vorhanden ist. Insofern gilt es, ein Grundangebot bereitzustellen, obschon dies die Bildungschancen/-qualität unserer Kinder nicht steigern wird.

Was der Stadtrat und die Lifestyle-Parteien fordern, wird beachtliche Konsequenzen und Begleiterscheinungen haben, sowohl auf die Kinder wie auch auf die Lehrerschaft und auf einen gesunden Staatshaushalt! Diese Negativpunkte werden verschwiegen, kleingeredet oder mit schmackhaften, aber nicht wahrheitsgetreuen, Versprechen versüsst.

In einem ersten Pilotprojekt mit sieben Tagesschulen wurden einige Erfahrungen gemacht. Durchaus bemerkenswert war die Nachfrage. Lediglich zehn Prozent der Eltern haben ihre Kinder in der Pilotphase I von der Teilnahme am Tagesschulversuch abgemeldet. Hierzu gilt es festzuhalten, dass die festgelegten Preise für die Betreuung und das Mittagessen den Eltern nahezu keine Möglichkeit lassen, ihr Kind abzumelden. Nur ein sehr geringer Betrag wird verrechnet und 80 Prozent der Kosten trägt die Allgemeinheit. Dies schliesst so gut wie aus, dass die Mittagsverpflegung/-betreuung durch Private übernommen werden könnte, welches ohne Zweifel dienstleistungsorientierter wäre.

Die Mehrheit der teilnehmenden Kinder, Eltern und Lehrpersonen sind mit der Tagesschule «Pilotphase I» zufrieden. Dennoch dürfen die Schwächen und Defizite nicht verschwiegen werden. Schliesslich gab der Gemeinderat den Auftrag, die Qualität der Tagesschulen in der Pilotphase I durch eine externe Firma beurteilen zu lassen. Markanteste Kritikpunkte waren der übermässige Lärm über die Mittagszeit, die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten für Kinder und Lehrpersonen sowie die daraus resultierende Ermüdung der involvierten Kinder und Erwachsenen.

Kindergärtner/-innen werden ab dem fünften Lebensjahr in den Tagesschulbetrieb integriert. Sie verbringen somit mindestens sieben lange Stunden in vollen Schulhäusern und das zweimal pro Woche sowie ab der ersten Klasse gar dreimal pro Woche. Dass vor allem Kleinkinder diesen Stress schlecht verkraften ist einsehbar. Müdigkeit, nachlassende Konzentration oder reduzierter Bildungserfolg sind logische Folgen. Das Sorgentelefon für Kinder verzeichnet immer mehr Anrufe. Medizinische Befunde sprechen schon von Kindern als Burnout-Patienten.

Seit Jahren wird die Schulraumpolitik der Stadt Zürich kritisiert. Die AL sprach von komprimierten Schulkindern in übervollen Schulhäusern und bemängelte wiederholt das Abschieben von Schülern in Containerschulen. Der Schulunterricht in einem Seebacher Kellerraum offenbarte schliesslich, dass das Schulamt und die IMMO mit der Schulraumplanung deutlich überfordert sind. Explodierende Schülerzahlen und endlos wachsender Flächenbedarf für Unterricht, Betreuung, Verpflegung sowie Sport und Spiel stürzen die Schulen in ein endloses Gedränge und Verdichtung ohne Ende. Es gibt zum Teil gar Schulcontainer auf   dem Pausenplatz. Dies alles bedeutet zunehmender Stress für Schulkinder und Lehrpersonen. Und nun sollen in Pilotphase II 30 Zürcher Schulen ins Hamsterrad «Tageschule» gepresst werden.

Das ist Schulpolitik auf dem Buckel der Kinder! Die SVP votiert dafür, die Tagesschulen offener und freier zu gestalten. Für Pilotphase II sollen Eltern, Kinder, Lehrpersonen und die Schulraumplanung von überhöhtem Druck und Stress befreit werden. Die gebundene Tagesschule soll zur offenen Tagesschule werden. Eltern sollen frei entscheiden, wie viele Mittage sie ihre Kinder zur Tagesschulverpflegung anmelden. So kann situativ auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden. Und in den Schulen reduzieren sich Lärm und Stress, weil über Mittag weniger Schüler anwesend sind.

Unterstützen Sie eine Schulpolitik zu Gunsten unserer Kinder. Gestalten Sie die offenen Zürcher Tagesschulen so kinderfreundlich wie nur möglich! Mit der vorliegenden Weisung und den zahlreichen Begleitvorstössen ist dies nicht gegeben. Die SVP wird dieses Projekt deshalb entschieden ablehnen.