Menschenkenntnis statt Genderpolizei

Aus dem Gemeinderat

Roberto Bertozzi, Gemeinderat SVP Zürich 11 Roberto Bertozzi, Gemeinderat SVP Zürich 11
Die «Genderpolizei» im Zürcher Gemeinderat, aber nicht nur dort, verlangt eine «geschlechtergerechte Sprache» und versucht, diese mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln durchzusetzen. Dabei wendet sie viel Zeit und Energie auf für eine aus ihrer Sicht gerechten Sache und vergisst dabei, dass die Vielfallt der Menschen nicht beim Geschlecht aufhört.

Beim Geschlecht handelt es sich um eine elementare Klassifikation, die die individuellen Stärken und Schwächen einer Person nicht berücksichtig und deshalb wenig über sie aussagt. Viel wichtiger als das Geschlecht sind die persönlichen Eigenschafen, um die Eignung für Beruf und politisches Amt feststellen zu können.
Die Genderpolizei will mit ihrer systematischen Überwachung Andersdenkende aufspüren, um angeblich die «Diversität der Geschlechter und die Vielfallt der Menschen» zu fördern. Nichtkonforme Texte werden zensuriert und sanktioniert. Dabei vergisst sie, dass zur Vielfallt dazugehört, dass jeder Mensch das Recht hat, sich so mündlich und schriftlich zu äussern, wie er es für richtig hält!

Genderpolizei und Gleichmacherei
Es ist dann nicht weiter verwunderlich, dass viele Sprachpuritaner überzeugte Anhänger des Behaviorismus sind. In dieser Theorie steht nicht das Individuum mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern das Milieu bzw. die Umwelt und die Erziehung, die die Persönlichkeit ausschliesslich formen sollen. Sie bekämpfen nicht nur diejenige, die im Alltag von ihren sprachlichen Vorschriften abweichen, sondern auch alle, die die biologische Grundlage als Basis für die Vielfallt der Menschen sehen. Das «menschengerechte» ersetzen die Sprachpuritaner mit dem «gendergerechten» und reduzieren so den Menschen auf sein Geschlecht.
Statt im Alltag auf Menschenkenntnis zu setzen, um die Vielfallt der Menschen zu fördern und ihnen gerecht zu werden, indem die Bedürfnisse erkannt werden, reduzieren die Sprachpuritaner ihre Bemühungen auf das Geschriebene. Aus ihrer Sicht genügt eine geschlechtsgerechte Ausdrucksweise, um die Bedürfnisse der Menschen nach Anerkennung und Förderung ihrer Talente und Begabungen gerecht zu werden. Aus meiner Sicht ist es nicht von zentraler Bedeutung, was geschrieben wird, da das Papier geduldig ist, sondern dass Menschenkenntnis gefördert wird, damit Vorurteile abgebaut werden.

Die Gefahr der totalen digitalen Überwachung
Im Zeitalter der Digitalisierung besteht nicht nur die Gefahr der systematischen Überwachung der sprachlichen Ausdruckweise des Einzelnen, wie sie bereits heute mit den damit verbundenen Sanktionsmöglichkeiten in Politik und Wissenschaft betrieben wird, sondern es besteht eine allgemeine Tendenz zur Überwachung der Menschen, wie wir sie aus China bereits kennen. Es ist ein ureigenes Bedürfnis zu wissen, mit wem man es zu tun hat. Dies ist evolutionsbiologisch bedingt. Als Folge davon führt die Digitalisierung zur Versuchung, die Handlungsweisen der Menschen systematisch zu erfassen, damit diese bewertet werden können. Sozial unerwünschte Handlungen können so sanktioniert und Gefahren – echte und unechte – sollen so verhindert werden.
Menschenkenntnis gibt Gegensteuer zur «Digitalen Überwachung», indem sie jedem Individuum die Möglichkeit gibt, sich selbst ein Bild des Gegenübers zu machen und so paranoide Entgleisungen vorzubeugen. Durch Schulung der Sinnesorgane kann sich jeder Mensch ein eigenes Bild seiner Umwelt machen und wird so gegenüber Suggestionen zunehmend resistent. Auch wird er die Suggestion hinterfragen, ob wirklich aufgrund einer nicht-gendergerechten Ausdrucksweise andere Menschen diskriminiert werden.