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Vom Wert der Freiwilligkeit

Freiwilligenarbeit steht hoch im Kurs. Nachdem die UNO das Jahr 2001 zum Jahr der Freiwilligenarbeit erhoben hatte, zieht die Europäische Union nach und will das Jahr 2011 dem gleichen Zweck widmen. Das war den Medien eine Nachricht wert, insbesondere weil dies dem Forum Freiwilligenarbeit Anlass war, wieder einmal auf die Bedeutung der Freiwilligkeit hinzuweisen und auf das kommende Jahr Aktivitäten anzukündigen. Damit kann das Forum Freiwilligenarbeit mit seiner sympathischen Geschäftsführerin auch gleich auf sich selbst aufmerksam machen – oder haben Sie diesen Verein gekannt? Nun wird ja niemand den Wert der Freiwilligenarbeit in Zweifel ziehen. Gerade in der Schweiz nicht, deren Bürger in unzähligen Vereinen tagein, tagaus, jahrein, jahraus gratis Gutes tun, sich im Stübli des Leuens treffen, um die Geschicke des "Chörlis", des Schwingclubs, Schützenvereins und was es sonst noch so gibt, zu lenken. Doch auch in den Familien werden Kranke und Alte gepflegt, ohne dass jemand nach Entschädigung fragt. Was braucht es denn hier einen Verein, der im Namen von 80 verschiedenen Organisationen und mit der Unterstützung von Prominenz aller Parteien für die Freiwilligenarbeit wirbt? Grundsätzlich basiert unser Staatswesen darauf, dass diejenigen, welche die Fähigkeit dazu mitbringen, der Gesellschaft ihre Dienste zur Verfügung stellen. Das wird im Artikel 6 sogar in unserer Bundesverfassung für alle festgeschrieben. Neben der moralischen Verpflichtung der Fähigen, sich im Rahmen des Milizprinzips für das Gesamtwohl einzusetzen, gibt es ökonomische Untersuchungen zur Frage, weshalb sich Menschen gemeinnützig engagieren. Darüber berichtete die NZZ noch am 11. März des laufenden Jahres. Die Ökonomie geht davon aus, dass es Gründe gibt, weshalb ein Mensch etwas tut. Er muss irgendeinen Nutzen daraus ziehen. Das kann in einer Investition in die Zukunft sein, indem man heute etwas tut, um allenfalls über höheres Ansehen seine eigene Marktkraft auch im Beruf zu erhöhen oder aber, indem man einen direkten Nutzen aus der gewählten Tätigkeit zieht, indem diese Freude macht, der eigenen sportlichen Betätigung zu niedrigeren Kosten als im Fitnesscenter dient oder ganz einfach soziale Kontakte ermöglicht. Freiwilligenarbeit funktioniert demnach dort, wo ein Nutzen darin liegt. Vereine zur Förderung der Freiwilligenarbeit, Sozialzeitkontrollen, Zertifizierungen und ähnlicher Schabernack zerstören viel eher die Freude an der Tätigkeit, weil sie auch hier die Bürokratie vorantreiben. Das einfache, gemeinsame Erbringen einer Leistung zur eigenen Freude und dem Wohl anderer, bleibt dabei auf der Strecke. Es wächst der an Gewissheit grenzende Verdacht, dass die Förderer der Freiwilligenarbeit selten ohne Bezahlung arbeiten dürften – aber das ist schliesslich auch ein Nutzen.

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