„Schlägerei auf dem Pausenplatz“, „Messerstecherei in Zürich: 17-jähriger tot“. „Schüler disziplinlos und gewaltbereit“. Dies sind nur drei von unzähligen Beispielen unseres Alltags aus jüngster Vergangenheit.
Es ist erschreckend wie viel Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen vorhanden ist. Praktisch jedes Wochenende kann man in der Innenstadt mit eigenen Augen beobachten, wie Jugendliche andere Jugendliche oder gar Erwachsene verprügeln und/oder ausrauben. Was man hingegen sehr selten sieht ist eine Polizeipatrouille. Oftmals ist zu sehen, dass ganze Gruppen wahllos Passanten anpöbeln, mit Fäusten und diversen Gegenständen maltraitieren und sich dabei noch einen Spass daraus machen. Beispiele gibt es genügend, ich denke an den Fall München, oder den Messerstecher an der Streetparade oder an die Silvesternacht, als ein Rollstuhlgänger von einer Gruppe Jugendlicher verprügelt wurde. Die Hemmschwelle zur Gewalt ist vor allem in der Stadt Zürich erschreckend tief. Was aber noch erschreckender und besorgniserregender ist, ist der offenbar fehlende politische Wille dieser Entwicklung energisch und sofort Einhalt zu gebieten. Die Ursache dieses schwerwiegenden Problems hat meines Erachtens zwei Gründe:
- Fehlende oder zu wenig konsequente Erziehung und Mitgabe gewisser Spielregeln in unserer Gesellschaft von Seiten des Elternhauses und der Gesellschaft als solches; womit wir alle gefordert sind. Die gesellschaftliche Liberalisierung hat ihre Grenzen erreicht. Auch wenn ich mich gegen zu viel Reglementierung des Staates wehre, so müssen wir uns bewusst sein, dass Leitplanken nötig sind. Denn die totale Liberalisierung unserer Gesellschaft führt zur Anarchie. Es gilt eine gesunde Balance zu finden.
- Jungendarbeitslosigkeit und die daraus folgende Langeweile. Es ist nicht verwunderlich, dass Jugendliche, welche langzeit-arbeitslos sind, keine oder nur eine mangelhafte Ausbildung haben, sich zum Teil in solchen, um es mal salopp zu formulieren „Schlägerkreisen“ wiederfinden. Und dies trotz eines sehr breiten Angebots von diversen Sport- und Freizeitaktivitäten sowie Beschäftigungsprogrammen seitens der Stadt. Dieses Angebot wird aber offenbar zu wenig wahrgenommen. Der Grund ist einfach: Weil man dort etwas beitragen oder eben leisten muss. Dazu sind zu viele Jugendliche nicht bereit.
Auch in unseren Schulen herrschen erhebliche Probleme. Sie sollen für alle Jugendlichen die Grundlage sein, um später, als Erwachsene, einen Platz in der Gesellschaft und im Berufsleben zu haben. Doch ist seit längerem eine zunehmende Motivationslosigkeit der Schüler und ein Abdriften vom Leistungsprinzip zu beobachten. Dabei leben wir mehr und mehr in einer Leistungsgesellschaft, in welcher es bestimmt nicht leichter ist und nicht leichter wird, all das zu bekommen oder zu erreichen (was nicht käuflich ist), was wir gerade möchten. Umso wichtiger ist es, dass die Schule, und damit ist die 1. Klasse bis hinauf ins letzte Gymnasial- oder Lehrjahr gemeint, dass die Schüler auf den harten Alltag nach der „schönen“ Schulzeit vorbereitet werden. Dazu gehört auch, dass wieder vermehrt auf Disziplin und Ordnung geachtet wird. Lehrer und Lehrmeister, welche früher das Sinnbild einer Autoritätsperson darstellten, büssen nach und nach ihren Status ein und werden weniger geachtet. Sie werden bedroht oder sogar tätlich angegriffen. Auffallend ist, dass es gewisse links gerichtete Organisationen und Gewerkschaften gibt, welche unser Milizsystem in der Lehrlingsausbildung untergraben und den Auszubildenden mehr Rechte als dem Lehrmeister einräumen. Dieser Trend ist in den Schulen ganz ähnlich so, dass die Schüler das Gefühl haben, sie müssen sich von ihren Lehrern nichts mehr sagen lassen. Um ein konkretes Beispiel zu nennen, so hat die Ehefrau von alt Stadtrat Estermann in ihrer Tätigkeit als Gewerbeschullehrerin bewusst Lehrlinge gegen ihre Lehrbetriebe aufgehetzt und dies ohne vorgängige Kontaktaufnahme mit dem Lehrmeister. Bei solchen Verhältnissen ist es kaum verwunderlich, wenn ein KMU künftig nicht mehr gewillt ist, Lehrlingen eine Ausbildung zu ermöglichen.
Die Schulen sind aus den genannten Gründen dazu angehalten, nebst der Stoffvermittlung auch wieder vermehrt auf die Förderung von Leistungswillen und das Aneignen von Disziplin-Regeln für das Zusammenleben Wert zu legen.
Ein weiteres Faktum ist, dass Eltern die Erziehung an die Schulen oder andere Ausbildungsinstitutionen delegieren, stehen dann aber, wenn es darauf ankommt nicht hinter den Entscheiden der Lehrer. Unsere Erziehungspolitik wurde so zu einer „Wo-kann-ich-mein-Kind-erziehen-lassen-Politik“.
Aber: Erziehung ist nicht delegierbar! Ein Kind hat man bewusst. Man kommt nicht eines Tages nach Hause und sagt „Huch, da hab ich ja noch ein Kind“. Und darum gehört die Erziehung in die Verantwortung der Eltern, welche ihren Kindern Werte und Wertvorstellungen vermitteln. Auch die Kriminalität unter Jugendlichen kann so mindestens teilweise eingeschränkt werden.
Egal wie wir es zu drehen und zu wenden versuchen, die erwähnten Probleme laufen immer wieder auf einen ganz ähnlichen Schluss hinaus: Die Gesellschaft, also wir alle, müssen wieder bewusst eine Vorbildfunktion für die heutige Jugend übernehmen und vorleben.
Der Appell an die Gesellschaft alleine reicht jedoch nicht. Flankierend hierzu ist die Politik ebenfalls gefordert. Die Jugendanwaltschaften tragen bei der Verminderung von Jugendkriminalität eine hohe Verantwortung. Die konsequente Umsetzung unseres Jugendstrafrechts ist dabei unabdingbar. Und eine Erhöhung des Polizeikorps sorgt für alle Bürger unserer Stadt für mehr Sicherheit. Ich muss an dieser Stelle aber ganz klar anfügen, dass eine Erhöhung nur dann Sinn macht, wenn sie auf eine Präsenzerhöhung auf der Strasse abzielt - und zwar nicht um Parkbussen zu verteilen. Wir fordern aber auch, um wieder auf die gesellschaftliche Vorbildsfunktion zurück zu kommen, dass Eltern von kriminellen Jugendlichen in geeigneter Form zur Verantwortung gezogen werden.
Patric Eggler, Geschäftsleitungsmitglied SVP Stadt Zürich
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