Ein einfaches Weltbild muss nicht immer falsch sein. Jedenfalls ist mir das bei der Lektüre der neuesten Broschüre "aveniraktuell" von avenir suisse durch den Kopf gegangen. Besonders sinnreich scheint mir der Artikel mit dem Titel "Preis dank Fleiss". Aufgrund eigener Berechnungen und Zahlen der OECD hat der Think Tank herausgefunden, dass das hohe Pro-Kopf-Einkommen der Schweizer einerseits davon abhängt, dass wir mehr und länger arbeiten als andere und dass andererseits in der Schweiz überdurchschnittlich viele Leute arbeiten. Bei der Produktivität liegen die Schweizer im Mittelfeld. Fleiss und Pflichterfüllung sind demnach besonders wichtig, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Auf Seite zwei der gleichen Broschüre wird dann noch auf eine andere Studie der OECD hingewiesen, die belegt, dass Bildung Wohlstand bildet. Ein hoher Anteil von Leistungsschwachen, nämlich 13%, die nicht eine Minimalzahl von 400 Punkten eines Tests erreichten, schwächten die Entwicklung der Schweiz. Spitzenländer wie Korea (7%), Japan (8%) oder Finnland (5%) lassen uns neidvoll erblassen. Gleich wichtig sei es, Begabte zu fördern. Fassen wir zusammen: Wer mehr, länger und härter arbeitet, verdient mehr. Wer eine bessere Bildung hat, verdient mehr. Jetzt ist natürlich keinesfalls gesagt, dass wer mehr verdient, gleichzeitig ein wertvollerer oder glücklicherer Mensch ist, aber er hat wenigstens keine Geldsorgen und bezieht aus seiner gut gemachten Arbeit ein positives Selbstwertgefühl. Wenn wir vom Individuum absehen, profitiert eine Gesellschaft davon, wenn überdurchschnittlich viele gut gebildete Leute viel arbeiten. Ich weiss, ich weiss, das ist nicht sehr originell. Was ist wohl der Grund, warum in jüngster Zeit ein grosses Interesse von gut gebildeten EU Bürgern besteht, ihren Wohnsitz in die Schweiz zu verlegen? Nun, anscheinend ist die wenig originelle Erkenntnis, dass gute Arbeit zu gutem Lohn die Menschen wie auch die Gesellschaft als Ganzes zu Wohlstand führt, in der EU nicht besonders weit verbreitet. Es besteht die berechtigte Sorge, dass die Schuldenwirtschaft der EU Staaten die Euro-Guthaben der fleissigen Bürger gefährdet. Die Leute retten ihr Geld und sich selbst gleich mit. Die Schweiz wird ein weiteres Mal davon profitieren, nicht EU Mitglied zu sein. Natürlich freut das nicht alle. Nämlich nicht die Faulen, die jetzt Konkurrenz erhalten. Sozialismus in Form von Wohnungsverbilligungen und Ähnlichem wird sie aber nicht retten, nur härteres Arbeiten. Die Schweiz wird einmal mehr von fliehenden Eliten profitieren. Die Wirtschaft wird wachsen. Aber mittelfristig müssen wir die Bildungspolitik leistungsorientierter gestalten. Der Soviet-Kommunismus ist tot, der EU-Sozialismus liegt im Sterben. Kann es sein, dass dieses Weltbild stimmt, trotz seiner Einfachheit?
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